Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

14.08.08, Gernot Hoersch

Vernebelt

Neulich war ich spazieren am Unterbacher See und wollte um den See rumgehen. Es war ein sehr schöner sonniger Tag und es war eine Menge Leute unterwegs.

Ich gehe den Weg lang und sehe das irgendwo in der Mitte des Sees Nebel anfängt. Alle anderen Spaziergänger gingen zu diesem Nebel und drehten um. Hatten keine Lust da durch zu gehen. Ich habe es mir auch überlegt, aber  dann dachte ich: Ich will doch um den See rumgehen. Und ich bin in den Nebel reingegangen. Es war auch wirklich sehr dicht und man hat auch kaum was gesehen. Und ich fand es schade, dass die Sonne weg war. Aber ganz plötzlich hat sich der Nebel wieder gelichtet. Und ich war auf der anderen Seite. Und da war es genauso sonnig wie auch drüber schon.

Da ist mir aufgefallen. Ich glaube: Genau das ist das Problem bei den Konflikten auf dieser Welt, insbesondere bei religiösen Konflikten. Jede Seite glaubt in der Sonne zu sein, auf der sonnigen Seite zu sein. Schaut nur mit Angst auf das Fremde, auf den Nebel. Dabei sollte man einfach einmal den Mut haben, die Perspektiven zu wechseln. Durch den Nebel durchzugehen, auf die andere Seite zu schauen. Denn dann würde man entdecken, dass wir alle nur das Gleiche wollen: In Frieden miteinander leben

Sprecher: Gernot Hoersch

Audiobeitrag Vernebelt


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