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Der erschlichene Segen
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer, mit einem überaus fragwürdigen Tausch hat die im 1. Buch der Bibel überlieferte Geschichte von Jakob und Esau begonnen.
Doch nicht genug damit, dass der jüngere Jakob seinem älteren Bruder Esau eines Tages für ein lächerliches Linsengericht das Erstgeburtsrecht und damit sein künftiges Erbe - abluchst! Die dramatische Familiengeschichte nimmt so erst ihren verhängnisvollen Anfang. Dabei ist im weiteren Verlauf die ehrgeizige Mutter Rebekka die treibende Kraft. Sie möchte ihrem Liebling Jakob gerne den Erstgeburtssegen des Vaters, der natürlich Esau als dem Älteren zusteht, zuschanzen. Dazu hat sie sich eine List ausgedacht. Jakob soll seinem alten, inzwischen erblindeten Vater Isaak einen Ziegenbock schlachten, ihm davon einen leckeren Braten zubereiten und ihn bei der Gelegenheit um den für seinen Bruder Esau vorgesehenen Segen bitten. Für den Fall, dass der blinde Isaak dabei Misstrauen schöpft, hat die trickreiche Rebekka vorgesorgt: Sie legt das Fell des geschlachteten Tieres um Hals, Arme und Hände ihres Sohnes. Wenn der Vater danach tastet, soll er denken, dass es sich um seinen stark behaarten Sohn Esau und nicht um den glatthäutigen Jakob handelt. Und tatsächlich klappt das Täuschungsmanöver. Gesättigt vom üppigen Mahl ist der Vater bereit, seinem Sohn den Segen zu erteilen. Und er beginnt ihn mit den Worten: Gott gebe dir vom Tau des Himmels und von der Fettigkeit der Erde, und er gebe dir Korn und Wein die Fülle
Als wenig später Esau nach erfolgreicher Jagd nachhause kommt, um seinen Vater mit einem gespickten Rehrücken zu erfreuen, muss er zu seinem Entsetzen feststellen: Sein jüngerer Bruder ist ihm mit Unterstützung der Mutter zuvorgekommen und hat ihm den väterlichen Erstgeburtssegen weggeschnappt. Alles Betteln und Flehen Esaus segne mich auch, mein Vater! hilft da nichts mehr. Ihm bleibt der vom Vater vermittelte besonderen göttliche Zuspruch versagt, weil sein Bruder sich diesen Segen mit bereits mit List und Tücke vom Vater erschlichen hat.
Liebe Hörerinnen und Hörer, was für eine ungeistliche Geschichte! Und dabei geht es darin doch um etwas höchst Geistliches, nämlich um den Zuspruch göttlichen Segens. An Gottes Segen ist alles gelegen! So empfindet es nicht nur bis heute der Volksmund. Das war auch schon damals die Überzeugung der Menschen. Nur dass dieser Segen in der Frühgeschichte Israels den erstgeborenen Söhnen einer Familie vorbehalten war, und die übrigen Kinder leer ausgingen oder doch mit einem eingeschränkten Segenszuspruch auskommen mussten. Wir sind da heute glücklicherweise besser dran, denn Gott hält die Fülle seines Segens für jeden von uns bereit. Wir müssen uns diesen Segen auch nicht erschleichen oder auf trickreiche Weise sicherstellen. Entscheidend ist, dass wir ehrlichen Herzens Gott darum bitten und ihm unsere leeren Hände hinhalten, damit er sie füllt. Dabei gilt bis heute: Den Segen Gottes kann man sich nicht selber sagen; man kann ihn sich nur von einem anderen zusprechen lassen. Schon allein deswegen ist der sonntägliche Gottesdienst ein Gewinn, weil wir dabei jedes Mal am Schluss mit dem Segen Gottes in eine neue Woche entlassen werden. Und dabei geht es nicht nur um äußeres Wohlergehen wie es am Anfang der Segensworte Isaaks an Jakob zum Ausdruck kommt. Dieser Segen schließt weit mehr ein: vor allem die liebevolle Zuwendung Gottes, bei dem wir im Auf und Ab unseres Lebens geborgen sind, so dass wir zuversichtlich auch in diesen neuen Tag gehen können. So begleite Sie der barmherzige Gott auf ihrem Weg durch diesen Tag und halte seine schützenden Hände über Sie!
Der erschlichene Segen
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