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Die große Versöhnung
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer, zwanzig Jahre hat Jakob in der Fremde die Herden seines Schwiegervaters gehütet so steht es im ersten Buch der Bibel.
Jahre, in denen er eine Familie gründete und es schließlich selbst zu einigem Wohlstand bringt. Doch die Sehnsucht bleibt, endlich wieder in die alte Heimat zurückkehren zu können. Wenn, ja wenn da nicht immer noch die alte Betrugsgeschichte ungeklärt im Raume stände. Denn Jakob hatte in jungen Jahren mit Hilfe seiner ihn abgöttisch liebenden Mutter seinen älteren Bruder Esau betrogen und sich den Erstgeburtssegen von seinem erblindeten Vater erschlichen. Jakob hat Angst, dass sein Bruder nach all den Jahren immer noch Rachegedanken gegen ihn hegt. Weil er aber endlich wieder mit ihm ins Reine kommen will, versucht er durch Boten die Fühler zu ihm auszustrecken. Was die jedoch auskundschaften, lässt ihn nichts Gutes ahnen. Esau zieht ihm mit einer 400 Mann starken Truppe entgegen offensichtlich, um über ihn und seine Familie herzufallen. In seiner Angst sieht Jakob keinen anderen Ausweg, als Gott anzuflehen, er möge ihn und seine Familie aus der Hand seines Bruders erretten. Zum ersten Mal in der ganzen Geschichte erleben wir Jakob als Bittenden vor Gott. Und doch vertraut er selbst in dieser Situation nicht vorbehaltlos auf seine Hilfe, sondern entwirft ein eigenes Sicherheitskonzept, um seinen Bruder zu besänftigen. Er teilt seine Herde in mehrere Gruppen auf, die getrennt voneinander auf unterschiedlichen Wegen dem Bruder entgegen ziehen. Die begleitenden Knechte weist er an: Wer mit seinem Teil der Herde am ersten Esau begegnet, soll ihm die Tiere als Gastgeschenk überlassen. Auf diese Weise hofft Jakob, seinen Bruder versöhnlich zu stimmen.
Als es schließlich zur persönlichen Begegnung zwischen den so lange verfeindeten Geschwistern kommt, läuft Esau seinem Bruder entgegen, fällt ihm spontan um den Hals und küsst ihn. Was für eine großzügige Geste des Verzeihens! Statt es zu einem finalen Countdown mit seinem jüngeren Bruder Jakob kommen zu lassen, feiern die Beiden tränenreich ihre Versöhnung. Nicht weil das von Jakob ausgedachte schlaue Sicherheitskonzept erfolgreich funktioniert hätte. Nein, Gott hat Esau von der Verbitterung über das ihm von seinem Bruder zugefügte Unrecht befreit und ihn zu einer von Herzen kommenden Versöhnung befähigt.
Liebe Hörerinnen und Hörer, vermutlich haben manche unter Ihnen in der eigenen Kindheit und Jugend Unrecht erlitten Unrecht, das Ihnen von eigenen Familienangehörigen dem überstrengen Vater, der ständig an Ihnen herummäkelnden Mutter oder dem Sie überlegen an die Wand spielenden Bruder zugefügt wurde. Dadurch sind Verwundungen entstanden, die bis heute nicht geheilt sind. Da reicht manchmal schon ein einziges Wort, um den Schorf von der notdürftig bedeckten Wunde abzukratzen und schon stellt sich der alte Schmerz wieder ein. Und doch wäre es für Ihr Wohlergehen so wichtig, dass Versöhnung möglich wird und lange zerbrochene Beziehungen wieder heilen. Vielleicht kann Ihnen die Erfahrung aus der Jakobgeschichte helfen, dass Gott selbst immer wieder barmherzig mit Ihrer eigenen Schuld umgeht, und Ihnen die Hand zur Versöhnung entgegenstreckt. Mit dieser Erfahrung im Rücken kann es Ihnen leichter fallen, Schritte der Versöhnung auf die zuzugehen, gegen die Sie immer noch einen berechtigten Groll in Ihrem Herzen hegen. Gott schenke Ihnen zu solchen Schritten Mut und Entschlossenheit.
Die große Versöhnung
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