Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

11.08.08, Pfarrer Dietmar Silbersiepe

Olympia I - Antreten und Kämpfen

Jetzt kämpfen sie wieder – die Sportlerinnen und Sportler bei den olympischen Spielen in Peking. Die schönste Nebensache der Welt ist uralt.

776 vor Christus fanden die ersten olympischen Spiele der Antike statt. Auch die Autoren der Bibel zeigen sich von den sportlichen Wettkämpfen beeindruckt. Vor allem der Apostel Paulus, der das Leben der Christen mit einem Lauf in der Kampfbahn vergleicht. „Ihr wisst, worauf es in der Kampfbahn ankommt“, schreibt er in einem Brief an die Korinther, und meint damit als erstes: Antreten! Antreten und Dabei sein, an den Start gehen! Das müsst ihr schon! Wenn ihr nicht Zuschauer bleiben wollt.

Zuschauen kann jeder. Erst wenn Du herunterkommst von der Tribüne und mitmachst, weißt Du, was Laufen in der Kampfbahn bedeutet. Genau so, meint Paulus, ist es auch mit dem Glauben. Du kannst die Sache mit Gott und dem Glauben aus der Distanz betrachten, zurückgelehnt in der Zuschauerrolle. Kannst Dich wundern oder auch nicht über das, was die Christen zustande bringen. Kannst Beifall und Geld spenden für Misereor und Brot für die Welt oder Dich aufregen über die vermeintlichen Heuchler, die jeden Sonntag zur Kirche rennen. Wenn Du wissen willst, was Christ sein bedeutet, wenn Du’s selber einschätzen willst, wie es ist, als Christ zu leben, dann musst Du’s ausprobieren. Runter von der Tribüne, rauf auf den Platz! Mitmachen statt Meckern! Mitreden, mitgestalten!

Jahrelang kannst Du Dich theoretisch mit der Frage nach Gott beschäftigen: Ob es ihn wirklich gibt. Was es bringt, an ihn zu glauben. Wenn Du wissen willst, wie es ist, an Gott zu glauben, wenn Du erleben willst, ob der Glaube wirklich trägt und wie er Dein Leben verändert, dann musst du’s tun, Dich einfach drauf einlassen! Raus aus der Distanz, hinein ins Leben mit Gott!

Ganz wie beim Sport. Zum Beispiel beim Schwimmen. Stundenlang kannst Du Schwimmübungen an Land machen oder die Theorie des Auftriebs im Wasser studieren. Hineinspringen musst Du, wenn Du erleben willst, wie es geht und wie es Dich trägt. Wobei der Apostel Paulus sicher nicht die Schwimmer, aber eben die Leichathleten im Blick hatte, vor allem die Läufer, die Marathonläufer. „Alle, die an dem Lauf teilnehmen wollen“, sagt er, „nehmen harte Einschränkungen auf sich“. Hartes Training mit Entbehrungen und eiserner Disziplin! Mögen manche vielleicht nicht gerne hören, aber so ist es: im Sport und auch im Glauben, im Leben als Christin, als Christ: Es ist kein Spaziergang. An Gott glauben, mit ihm leben, ist das schönste, das Dir passieren kann. Aber es ist auch Kampf und Auseinandersetzung, hat mit Opfer und Verzicht zu tun.

Wer sich auf einen Marathonlauf vorbereitet, muss verzichten, muss erkennen was nötig ist und was zurück gestellt werden muss. Askese ist für Sportler alles andere als altmodisch. Für Christen darf es das auch nicht sein. Was ist mir wichtig und welchen Ballast muss ich abwerfen, damit ich voran komme? Das ist anstrengend und mühevoll und immer auch ein Kampf mit sich selber, gegen sich selber. Aber es lohnt sich. Weil Du ein Ziel hast.

Und du setzt ein starkes Signal gegen Gleichgültigkeit und Müdigkeit und gegen die "Ist-mir-doch-alles-egal-Stimmung". Für sich etwas finden, für das es sich lohnt zu kämpfen und damit Antreten! Das können wir von den Wettkämpfern in Peking lernen und nicht nur von denen.

Audiobeitrag Olympia I - Antreten und Kämpfen


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