Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

13.08.08, Pfarrer Dietmar Silbersiepe

Olympia III - Kämpfen und Durchhalten

Jetzt kämpfen sie wieder – die Sportlerinnen und Sportler bei den olympischen Spielen in Peking. Auch das Leben mit Gott ist ein Kampf, meint der Apostel Paulus in der Bibel.

Er vergleicht das Leben der Christen mit einem sportlichen Wettkampf. „Ihr wisst, worauf es dabei ankommt“, schreibt er in einem Brief an die Korinther, und hat dabei die Marathonläufer vor Augen: „Alle, die zu einem solchen Lauf antreten“, sagt Paulus, „nehmen harte Einschränkungen auf sich“. Klar: Hartes Training in der Vorbereitung, auf die Zähne beißen und Durchhalten während des Wettkampfs. Das erfordert Ausdauer und Disziplin, Selbstdisziplin. Tugenden, die heute eher unpopulär sind, wo alles easy und schnell gehen muss.

Aber vieles lässt sich eben nicht auf die Schnelle und mal eben so nebenbei erreichen. Vieles kostet Mühe und Anstrengung. Und genau das ist der springende Punkt bei dem Vergleich mit den Marathonläufern: Sie nehmen jede erdenkliche Mühe und Anstrengung auf sich, gehen an ihre Grenzen, holen das letzte aus sich heraus. Warum? Um Durchzuhalten und das Ziel zu erreichen bei Kilometer 42 Komma 2, ob als Sieger auf dem Treppchen, als Sieger gegen die Uhr oder nur gegen den inneren Schweinehund, das ist für die meisten eher nebensächlich. Hauptsache: die Glücksmomente beim Zieldurchlauf! Sie entschädigen für alles, was vorher war, sagen die passionierten Läufer.

Geschenkt wird ihnen dabei nichts. Und genau so, meint Paulus, soll’s im Leben eines Christenmenschen sein. Auch Christen haben zu kämpfen, müssen sich durchbeißen und alle Kräfte mobilisieren, um durchzuhalten. Ungewohnte Töne für einen, der sonst so gerne mit Recht vom Geschenk der Liebe Gottes spricht. Doch wer sich der Liebe Gottes anvertraut - Paulus weiß es aus eigener Erfahrung - ist nicht nur auf Rosen gebettet. Mit Gott zu leben, sich im Alltag an ihm, an seinen Geboten zu orientieren, für Gerechtigkeit eintreten oder für Frieden und Versöhnung, für die Menschenrechte, das ist kein Spaziergang. Das kostet oft Mühe und Kraft und erfordert Selbstdisziplin.

Heute Morgen erinnere ich an diese Seite des Christ Seins: Nicht immer nur den einfachen Weg gehen – auch die schwierigen unbequemen Wege in Angriff nehmen, die mir alles abverlangen! Gegenwind von außen, Widerstände in mir selbst aushalten und überwinden! Sich Ziele setzen und die Sache durchhalten bis zum Ende! Nicht vorzeitig oder vorschnell aufgeben, sondern alles aus sich herausholen, bis an die eigenen Grenzen gehen! Das erwarte ich von mir selber, das erwartet auch Gott von mir. Gott traut mir viel zu. So viel wie ich bewältigen kann. Und das Gefühl kenne ich ja auch von mir: Auf Wolke sieben zu sein, wenn ich echt etwas geschafft habe.

Und was ich nicht schaffe, was ich in meinem Leben nicht zustande bringe, das bringt Gott zu Ende. Dabei bleibt es. Auch für Paulus. Denn das unterscheidet die Kämpfer für Gott von den Olympioniken. Bei ihnen kann nur einer gewinnen, bei Gott gewinnen alle, die für ihn und seine Sache kämpfen. Die Sportler „tun es für einen Siegeskranz, der vergeht“, stellt Paulus klar, „aber auf uns wartet ein Siegeskranz, der unvergänglich ist“, das ewige Leben bei Gott, der himmlische Friede, wo um nichts mehr gekämpft werden muss.

 

Audiobeitrag Olympia III - Kämpfen und Durchhalten


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