Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

16.08.08, Antje Borchers

Küss mich bitte!

Ein Kuss kann das ganze Leben verändern. Geschichten davon gibt es genug. Zum Beispiel diese verzwickte, die Emilie nicht vergessen kann, kurz gefasst lautet sie:

Zwei küssen sich – ursprünglich aus medizinischen Gründen, verlieben sich dann aber, dabei sind beide in festen Händen. Die neue Liebe wird die große Liebe und die Zwei wollen sich vom bisherigen Partner trennen. Aber wie, ohne dass der unglücklich wird? Die Beiden kommen auf die Idee, ihre alten Partner miteinander zu verkuppeln.

Filmausschnitt:
Mann: »Wir haben uns etwas ausgedacht, und…«
Frau: »Ja, es ist ein bisschen kompliziert, aber wir wollen einfach glücklich werden. Claudio ist etwas eigenartig, bisher hat er sich für keine andere Frau interessiert als für mich. Deswegen sind wir auf die Idee gekommen, sozusagen einen Trick anzuwenden, damit er sich speziell für Sie interessiert.«

Autorin: Ein Trick, um glücklich zu werden! Kann das gut gehen? Natürlich erfährt Claudio, der Noch-Ehemann, von dem Trick. Natürlich bricht für ihn eine Welt zusammen. Die Ehe geht auseinander. Diese Geschichte erzählt Emilie in dem Film »Küss mich bitte!«, der gerade in den Kinos läuft. Und wegen dieser Kussgeschichte will Emilie – nach einem schönen Abend – den sympathischen Gabriel lieber nicht küssen. Denn auch sie beide sind in festen Händen und Emilie fürchtet die Konsequenzen, die ein einziger Kuss haben kann:

Filmausschnitt:
Emilie:
»Vielleicht sollten wir es lieber nicht tun.«
Gabriel: »Der Kuss, den ich Ihnen geben wollte, war ganz einfach ein Abschiedskuss. Ein Kuss, mit dem ich Ihnen sagen wollte, wie glücklich mich die Stunden mit Ihnen gemacht haben.«
Emilie: »Also ein Kuss ohne Konsequenzen?«
Gabriel: »Ja!«
Emilie: »Ich hab’ genau dasselbe empfunden.«
Gabriel: »Und was hält Sie dann zurück?«
Emilie: »Eine Geschichte, die Leuten passiert ist, die ich kenne.«

Autorin: Für diese Leute kommt trotzdem, wie geplant, das Glück. – Soll das nun »die Moral von der Geschicht’« sein? Dass man das Glück mit Tricks erzwingen kann? Genau solch eine verzwickte Geschichte steht auch in der Bibel. Ich nehme sie als Deutungshilfe dazu. Kurzgefasst lautet sie: Zwei Menschen, eine Mutter und ihr jüngster Sohn, wollen dem Glück auch mit einem Trick nachhelfen. Dafür belügen sie den greisen Vater, betrügen den ältesten Bruder und ergaunern sich Glück und Segen von Gott. Und Gott lässt das auch noch zu! Dabei hätte er den Segen doch einfach unwirksam machen können. Hat er aber nicht.

Ich begreife Gott nicht so ganz: Wie kann er diese Trickserei auch noch belohnen? Glück und Segen für den Jüngsten und der Älteste geht leer aus! – Erst mal. Die biblische Geschichte zeigt mir: Das Leben ist nicht zuende, wenn einem großes Unglück passiert. Und auch die Trickser haben nicht uneingeschränkt Glück. Gott geht mit allen Beteiligten seinen Weg weiter und wendet das Böse zum Guten. Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade. »Und die Moral von beiden Geschichten«? Nicht leichtsinnig mit dem Leben umgehen. Emilie hat Recht, wenn sie sagt.

Filmausschnitt:
Emilie:
»Man kann ja vorher nie wissen, ob es ein kleiner oder ein großer Kuss sein wird.«

Autorin: Und man kann nicht wissen, ob man die Konsequenzen tragen kann. Dass Gott aus allem, auch dem Bösesten, etwas Gutes machen kann, darf man hoffen, aber einkalkulieren sollte man es nicht.


 

Audiobeitrag Küss mich bitte!


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