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Auge des Herzens
Guten Morgen, liebe Zuhörer, liebe Zuhörerinnen! Unsere Augen sehen täglich zahllose Bilder.Aber welche Bilder sind wichtig?
In Sekundenbruchteilen ordnet unser Gehirn die vielen Sinneseindrücke. Es trennt Wichtiges vom Unwichtigen. Meistens jedenfalls. Aber manchmal ist das Reizangebot so groß, dass in der großen Fülle auch schon einmal Wichtiges verloren geht. Oder gar nicht erst wahrgenommen wird.
Manchmal erreicht ein Bild unser Herz und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.Wir sprechen oft von der Liebe auf den ersten Blick: Oder ein Mensch begegnet uns und ist uns einfach sofort sympathisch. Oder: Das strahlende Firmament des Himmels an einem Sommertag. Ein Kind, das uns auf der Straße zuwinkt.
Manchmal werden uns die Augen geöffnet für eine besondere Situation: Warum z.B. steht die Nachbarin, die vor kurzem ihren Mann verlor, schon solange vor Abfahrt des Busses an der Haltestelle? Und plötzlich wird mir klar: da wartet jemand auf ein Gespräch. Was ist wichtig von dem, was wir sehen? Unsere Vernunft alleine ist da nicht immer hilfreich. Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Diesen Tipp gibt der Fuchs dem Kleine Prinz in der Geschichte von Saint - Exupery. Das Auge des Herzens lässt sich weniger ablenken von äußeren Reizen und will sich nicht gefangen nehmen lassen von grell strahlenden Bildern übergriffiger Werbung. Wir brauchen allerdings etwas mehr Zeit für diesen genaueren Blick, weil Gefühle mitspielen und das Leben verwirrend sein kann.
Die Bibel gibt uns entscheidende Hinweise bei der Frage, welche Bilder uns erreichen sollen. Jesus erzählt: Einer liegt zusammengeschlagen am Weg. Zwei finden ihre Gründe, vorüber zu gehen. Ganz nach den gängigen Regel: Die Arbeit kommt zuerst. Ein dritter bleibt stehen. Und wirft alle Regeln um, indem er handelt wie es ihm sein Herz eingibt: Die Liebe kommt zuerst. Mit den Augen des Herzens sieht den Schmerz des Überfallenen. Er fühlt ihn sogar förmlich: Es wird erzählt, er sah den Zusammengeschlagenen und es jammerte ihn.
Die Liebe sprengt so manche Ordnung und das gibt meist ein schönes Chaos. Mit diesen Störungen muss ich leben, wenn ich mich auf die regellose Liebe einlasse. Es gilt, sich anstiften zu lassen vom langen Atem der Menschenfreundlichkeit angesichts einer Scheuklappenmentalität, die sich immer weiter ausbreitet. Die Liebe wird nicht zu einer neuen olympischen Disziplin, die uns zu Höchstleistungen auffordert. Dem Helfersyndrom wird etwas entgegengesetzt, denn die Geschichte endet vorbildlich: Der Zusammengeschlagene wird in Pflege gegeben, damit der Helfer seinen Weg fortsetzen kann. Er tut dies auf eigene Kosten und handelte er wie einer, der viel zu verschenken hat. Ganz nach der Devise: Ich lebe von der Liebe, also lasse ich andere diese Liebe auch spüren.
Auge des Herzens
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