|
Reines Herz
Guten Morgen, liebe Zuhörer, liebe Zuhörerinnen! Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.
Gott schauen können, welche Klarheit würde entstehen, uns wäre für unser ganzes Leben geholfen. Gott schauen nicht als eine religiöse Wahrheit oder als höchste Idee, Gott auch nicht als die große unbekannte Kraft hinter allem Leben, sondern Gott schauen, auf den wir uns von ganzem Herzen verlassen können.
Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen. Es klingt ganz leicht und doch lässt es sich nicht wie eine Gebrauchsanweisung umsetzen: Auch wenn ich mit aller Kraft mein Herz aufräume und von unsauberem Müll befreie. Ein klarer Blick auf Gott ist damit nicht gewährleistet. Wir können unser Herz nicht selbst reinigen.
Wir können auch keinen Umkehrschluss aus diesem Wort Jesu machen: Wenn ich Gott nicht sehe, dann ist mein Herz nicht rein genug.
Jesus beschreibt einen anderen Gedankengang, als er vom Blick des reinen Herzens auf Gott spricht: Bei Jesus sitzt im Herz nicht nur das fromme Gefühl, das angesprochen werden will, der Verstand ist genauso gefragt: Das Herz versteht Jesus als die Mitte unseres Lebens: Gefühl und Verstand sind vereint. Denken, Wollen und Handeln werden hier überlegt, Erlebnisse verarbeitet und Gefühle erlebt. Im Herzen wohnt die ganze Person, von hier aus bewegt sich unser Leben. Die Erneuerung des Menschen beginnt im Herzen.
Im Gespräch mit einer ehrenamtlichen Hospizmitarbeiterin hörte ich: Mein Verstand hat mir immer schon gesagt, wie wichtig diese Aufgabe ist. Aber ich musste mir erst ein Herz fassen und Mut entwickeln, den Angehörigen und Sterbenden zu begegnen. Ich bin meist die Beschenkte. Seit ich sehe, wie froh die Menschen werden, wenn ich komme, bin ich mit ganzem Herzen dabei.
Die Freunde Jesu haben erlebt, wie sich die Herzen der Menschen verändern: Wie Gott das Herz eines Menschen öffnet (Apg.16, 14)und Gott Liebe hineingießt (Röm 5,5).
Das Herz gleicht einem Gefäß, das sich füllt und überfließt zur nächsten Schale. Die Liebe hört nie auf. Die Liebe, die in uns hinein gegossen ist, fließt weiter. Sie ist die feste und tiefe Kraft, die uns verändert und weiter wirkt.
Die Bibel erzählt von Lydia, einer Migrantin aus Griechenland, die nach Philippi gekommen ist. Sie ist eine mobile Frau, die sich im Purpurhandel auf eigene Füße gestellt hat und sich etabliert hat. Als sie Paulus und Silas zuhört, öffnet Gott ihr das Herz. Sie ist die erste Frau in Europa, die Christin wurde. Grenzen öffnen sich: die Liebe verbindet Herz und Verstand und setzt Lydia in Bewegung: Sie öffnet ihre Tür und macht ihr Haus zum Mittelpunkt einer kleinen Gemeinde.
Selig sind, die ihr mutiges Herz und ihren klaren Verstand Gott zuwenden, denn dies ist der Ort, an dem Gott dem Menschen begegnet und wir Gott schauen.
Reines Herz
|