Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

29.07.08, Stefanie Schardien

Gott atmen hören

Heute Morgen habe ich Gott neben mir atmen hören. Vor der Arbeit war ich im Baggersee schwimmen.

Durch die Bäume fielen die ersten Sonnenstrahlen auf das Wasser und außer mir zog nur ein Entenpaar seine Runden. Und da war es mir auf einmal so, als könnte ich Gottes Atem spüren.

An wunderbaren Orten auf dieser Welt geht mir das manchmal so. Letztes Jahr war das ähnlich: oben beim Gipfelkreuz, als ich über diese nicht enden wollende Berglandschaft geblickt hab, da hatte ich auch das Gefühl, Gott stehe irgendwie neben mir.

Meine Freundin Sabine, die mit Kirche und Gott nichts zu tun hat, sagt: das sind  halt fromme Wünsche. Schöne Naturerfahrungen brächten einen schnell in so eine melancholische Stimmung und weckten kitschig religiöse Gefühle. Warum, bitteschön, sollte Gott hier schon näher sein als an einer lärmigen Großbaustelle oder im Einkaufszentrum?

Jaja, sage ich dann, natürlich wird Gott sich auch genauso an den lauten und hässlichen Ecken blicken lassen. Vielleicht bin ich selbst aber an diesen außergewöhnlich schönen Fleckchen dieser Erde einfach aufmerksamer. Offensichtlich brauche ich solche Momente, in denen ich maximal Wasserplätschern oder Blätterrauschen höre, um mal wieder Ohren für Gott zu haben. Das funktioniert nicht immer so gut im normalen Alltagslärm. Aber allein im großen See oder hoch oben auf dem Berg, dort schon. Dort ahne ich zum Beispiel, wie winzig klein wir eigentlich alle sind in dieser riesigen Welt. Und wahrscheinlich ist Gott auch gerade ganz versunken in den Anblick und alles, was ich dann höre, ist sein Atem. Ganz nah neben mir.

Sprecherin: Christiane Birgden

Audiobeitrag Gott atmen hören


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen