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Antipasti im Altarraum
Alles besetzt. Es ist kein Platz mehr im Kirchraum zu bekommen. Meine Augen suchen nach einem freien Tisch.
Der Ober schüttelt bedauernd den Kopf und schnellt dann ein paar Altarstufen hoch. Er balanciert ein volles Tablett mit Wein und Antipasti. Dort, wo eigentlich der Altar stehen sollte, sitzen Menschen in loungigen Sesseln, unterhalten sich, essen und trinken.
Seit einigen Jahren wird diese Kirche nicht mehr als Gotteshaus genutzt, sondern als Restaurant. Zu teuer war das Gebäude, zu groß für zu die Gemeinde. Langsam, aber stetig vergammelte die Kirche, bis ein findiger Restaurantbesitzer sich ihrer annahm. Schnell hat sie sich zum Hot-Spot entwickelt.
Während ich in der Bar auf einen freien Tisch warte, denke ich wehmütig: Schade, dass früher das Geld fehlte - für so eine Renovierung. Für einige Gemeindeglieder ist das nicht leicht zu sehen, was zurzeit mit so vielen Kirchgebäuden geschieht: Ob sie nun zu Restaurants oder Banken werden, ob man sie an andere Religionsgemeinschaften untervermietet, leerstehen lässt oder abreißt. Für Menschen, die etwas mit den Kirchen verbinden, gehen da wichtige Geschichten zu Ende.
Manche gehen aber auch weiter. Der Restaurantbesitzer wollte gar nicht mal nur aus Eigennutz - dass das Gebäude weiterhin nach außen als Kirche wahrgenommen wird. Als Kirche prägt es das Stadtbild und erinnert an den ursprünglichen Sinn. Klar wäre es noch schöner, wenn die Kirchen einfach als Kirchen voll wären, aber die neue Nutzung scheint mir immer noch besser als ein Abriss.
Sprecherin: Christiane Birgden
Antipasti im Altarraum
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