Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

02.08.08, Beate Raguse

Träume

Ich sitze auf einem Floss aus Baumstämmen. Am Ufer dichter Dschungel, unter mir türkises Wasser. Nervös kaue ich auf meinem Stift.

Ich muss ein Konzept schreiben, drei Seiten habe ich schon. Plötzlich taucht wie aus dem Nichts Helge Schneider auf. Er sitzt am Rand des Floßes und singt eins seiner sinnfreien Lieder. Ich lache, doch dann sage ich: „Ich habe leider keine Zeit für Späße, ich muss arbeiten.“ Helge will noch etwas erwidern, aber zu spät... Ich wache auf.

Es soll ja Menschen geben, die sind so diszipliniert und schreiben morgens ihre Träume auf. Gerade auch in den Ferien, wenn sie nicht vom Wecker aus dem Schlaf gerissen werden, sondern morgens noch Zeit haben, sich zu erinnern. Anderen  fallen tagsüber  ihre Träume wieder ein, wenn Menschen oder Situationen sie  plötzlich an das nächtliche Geschehen erinnern. Zwar sind Träume nur selten so schräg wie der mit Helge, aber trotzdem irgendwie aufschlussreich.

Wenn sich zum Beispiel ein Mann nach dem Aufwachen wie neugeboren fühlt, nachdem er im Schlaf ein Gespräch geführt hat, das er im Alltag seit langem vor sich herschiebt. Ein Frau stemmt Familie, Beruf und Pflege der Mutter. Erst als sie immer wieder beim Einschlafen vom Fallen träumt, bemerkt sie, dass sie in Gefahr ist, sich zu überfordern.

Sicher sind Traumsituationen manchmal schwierig und uneindeutig. Dennoch lohnt es sich, meine ich, sich mit ihnen zu beschäftigen. Sie können Zugang schaffen, zu dem, was tagsüber zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Träume haben eine Bedeutung.
Zu biblischen Zeiten waren die Menschen sogar überzeugt, dass Gott selbst im Traum zu ihnen spricht. Und das hatte für sie ganz konkrete Folgen.

Josef deutete einen Traum von sieben fetten und sieben mageren Kühen. Für ihn war klar: hier hatte sich eine Hungersnot angekündigt. Nur weil in den fetten Jahren gehortet wurde, gab es auch in den Dürrejahren genug zu essen. Der Traum rettete Leben. Anders war es bei Pilatus. Der hörte nicht auf den Traum seiner Frau. Denn diese hatte kurz vor der Kreuzigung Jesu einen furchtbaren Albtraum. Der Traum muss so nachdrücklich, so plastisch gewesen sein, dass sie die Gerichtsverhandlung gegen Jesus störte und ihren Mann davor warnte, Jesus zu verurteilen. Doch der hörte nicht auf sie.

Und mein Traum ? Träume vom Wasser, das habe ich nachgelesen, bedeuten, dass sich etwas verändern will. Das ist verständlich. Schließlich kann Wasser ja reinigen. Außerdem fließt es, selbst ein kleiner Bach bringt ständig neues Wasser. Andrerseits ist das Wasser ja nicht reißend, sondern es trägt mich. Es scheint, als müsse ich nicht gleich alles stehen und liegen lassen. Nur mal schauen, ob ich das Konzept, das ich in zwei Wochen abgeben muss, vielleicht zu wichtig nehme. Und Helge Schneider? Vielleicht geht mir das Referat mit weniger Ernsthaftigkeit  besser von der Hand?

Ein skurril anmutender Traum erinnert mich daran, dass ich getragen bin. Auch wenn  vieles unklar ist, wenn ich mitten im Dschungel sitze und nicht sehe, was kommen wird. Der Traum sagt „arbeiten hat seine Zeit“ und „Spaß haben hat seine Zeit“. Er gibt Zuversicht: „du schaffst das schon“, auch wenn du dich nicht so mühst. Ob auch mein Traum eine Botschaft von Gott  ist ? Es würde mich nicht wundern.

Audiobeitrag Träume


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