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Reich Gottes am Arbeitsplatz
Mein Schüler Stefan, Azubi im Malerhandwerk, erzählt im Unterricht von seinem großen Erfolgserlebnis: Sein Chef hat ihn quasi befördert.
Zwar nur vorübergehend, aber immerhin. Von heute auf morgen vom Lehrling zum Vorarbeiter. Und die Beförderung, die kam so: In Stefans Firma herrscht nämlich im Augenblick Hochbetrieb. Sehr gute Auftragslage. Deshalb hat der Chef sich zusätzliche Arbeitskräfte aus Rumänien und Polen besorgt.
Woher genau, das weiß Stefan nicht so exakt. Jedenfalls darf Stefan die für ihn namenlosen Polen und Rumänen nun anleiten und beaufsichtigen. Die sprechen kein Wort Deutsch Man kann sich nur mit Händen und Füßen verständigen, sagt Stefan. Auf sich selbst ist er stolz, denn er hat durch seine Beobachtungen schon mehrere Polen und Rumänen aussortieren können, - die taugten nicht zu Malerarbeiten, das waren wohl eher Installateure meint er. Sein Chef war auch zufrieden mit Stefans Aufmerksamkeit und hat sich neue Aushilfen geholt, Dies besser können. Natürlich wieder Polen und Rumänen.
Stefans Kollegen wollen im Unterrichtsgespräch nun wissen, was die Aushilfskräfte denn so verdienen. Ungefähr 5 Euro die Stunde, weiß Stefan. Nicht viel eigentlich. Aber im Vergleich zu den 450 € Ausbildungsvergütung im Monat für Stefan und seine Kollegen, kommen die Hilfskräfte dann am Monatsende doch auf mehr Geld als deutsche Lehrlinge. Das wurmt meine Azubis. Macht neidisch. Und als Kevin noch weiß, dass die sich davon in Rumänien sogar noch nen Mercedes leisten und ne ganze Familie ernähren können , kocht der Neid in der Klasse über: Sauerei, Nehmen hier die Arbeitsplätze weg und wir können nachher kucken, wo wir bleiben!, Hier wird alles teurer, Benzin, Mieten, und die fahren da Mercedes!
Und während die Empörung in dieser Unterrichtsstunde immer höher schwappt, fällt mir eine Geschichte ein, die Jesus einmal über den Arbeitsmarkt zu seiner Zeit erzählt hat. In der Geschichte sieht er das Reich Gottes auf Erden dann gekommen, wenn jeder soviel verdient, dass es für alle genug zum Leben gibt. Und niemand mehr neidisch sein muss.
Ich denke: Damals wie heute - es gibt schrecklich viel Ungerechtigkeit, gerade was die Löhne und Gehälter angeht. Man braucht gar nicht auf Managergehälter zu sehen. Auch im Handwerk arbeiten nicht wenige, die von ihrem Einkommen keine Familie mehr ernähren können. Wer wollte da Stefan und seine Klassenkameraden verurteilen, die sich über schlechte Verdienstmöglichkeiten im Handwerk ereifern? Die angesichts steigender Lebenshaltungskosten das Gefühl kriegen, nur noch Krümel vom Kuchen abzubekommen? Oder wer wollte die Arbeitskräfte aus Polen und Rumänien kritisieren, die oft nicht anders können, als ihre Arbeitskraft hier billig zu verkaufen? Und wer wollte Stefans Chef verurteilen, der dem Druck des Marktes standhalten will?
Jesus hatte Recht: Oberstes Ziel müsste sein, dass alle genügend zum Leben haben. In NRW, in Polen, in Rumänien und dem Rest der Welt. Und: moderne Ausbeutung müsste verboten werden. Und alle, die arbeiten, müssten zudem aufpassen, dass sie sich nicht gegeneinander ausspielen lassen.Neid würde es dann nicht mehr geben, stattdessen jede Menge Solidarität. Im Reich Gottes auf Erden.
Reich Gottes am Arbeitsplatz
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