Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

17.07.08, Pfarrer Martin Vogt

What a lucky man you are

Musik: Reinhard Mey, „What a lucky man you are“ aus: CD “Flaschenpost”, Track 6, Lc-Nr.: 1109 Autor: Manchmal bin ich mit allem unzufrieden.

Mit mir selbst, mit meiner Arbeit, meinen Kindern, mit der ganzen Welt und mit Gott. Ich werd’ dann nicht gleich depressiv. Aber ich gerate doch in eine Stimmung, die mich ziemlich ’runterzieht. Irgendwie ist dann alles in dunkles Grau getaucht. Und ich weiß nicht mal, warum. An solchen Tagen täte es mir gut, wenn jemand etwas zu mir sagen würde, das mich aus diesem Stimmungstief herausholt. Etwas, das mich wieder anders auf mein Leben und auf die Welt schauen lässt. Vielleicht würde schon eine Zufalls-Begegnung reichen, wie sie Reinhard Mey in seinem Lied „What a lucky man you are“ beschreibt. Da erzählt er, wie er am letzten Urlaubstag in Amerika mit seiner Familie noch mal Essen gegangen ist:

Musik: Am Neb´ntisch außer uns nur noch das grauhaarige Paar aus Texas, diese Golfhose, die Föhnfrisur, na klar! Den ganzen Abend haben sie zu uns rübergesehn. Sie zahlen, stehen auf, und er bleibt kurz neben mir stehn, beugt sich zu mir herunter und sagt leise zu mir im Gehn: „What a lucky man you are“.

Autor: Was bist du doch  für ein glücklicher Mensch. Du merkst es nur gerade nicht. Du musst darauf gestoßen werden, obwohl dein Glück eigentlich ganz offen vor dir liegt: Das kann dein Partner sein oder deine Freunde oder nette Kollegen, die Arbeit, die du hast oder deine Gesundheit, dass du überhaupt leben kannst in dieser Welt und in diesem sicheren, friedlichen und reichen Land. Zugegeben: Manchmal kann ich solche Hinweise nicht gut haben. Ich bin dann so sehr in meiner Stimmung gefangen, dass die Worte regelrecht an mir abprallen. Dann reagiere ich bestenfalls genervt. Aber manchmal bringt mich so ein Hinweis, der von außen kommt, auch zum Nachdenken. Über das, was mich im Moment gerade niederdrückt. Und über die Frage, ob das eigentlich wichtig ist in meinem Leben. Manchmal fange ich dann an, mich ziemlich zu wundern.

Musik: „Und ich sitz da vor Kopf, noch immer stumm. Schon sonderbar: Da kommt ein Wildfremder an deinen Tisch und macht dir klar: Du hast alles, was du wolltest! Was um alles in der Welt, wieviel unwichtiges Zeug dir oft den Blick darauf verstellt! Manchmal brauchst du einen Fremden, der dir einen Spiegel vorhält: What a lucky man you are.“

Autor: Natürlich ist dann nicht alles sofort wieder in Ordnung. Aber zumindest habe ich ein Gegengewicht bekommen zu meiner schlechten Stimmung. Einen Hinweis darauf, dass es noch etwas anderes gibt als meine trüben Gedanken. Das ist schon mal viel wert. Mein Blick wird auf diese Weise in eine neue Richtung gelenkt. Die Welt bekommt ein anderes Licht. Das Grau um mich herum kriegt kleine bunte Risse. Und ich beginne, das Glück, das ich habe, auch wieder zu fühlen.

Musik: What a lucky man you are.

 

Audiobeitrag What a lucky man you are


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