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Birma
Sagt Ihnen das Stichwort Birma noch etwas? Das ist ein Staat im Südosten Asiens, zwischen Indien im Westen und Thailand im Osten.
Im September letzten Jahres ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, dass es dieses Land gibt. Denn da wurden im Fernsehen Bilder gezeigt von Protesten gegen die dortige Militärregierung. Mit der Zeit schlossen sich aber auch immer mehr Zivilisten an. Zunächst ging es um die wirtschaftliche Lage im Land, die sich immer mehr verschlechtert hatte. Schnell kamen jedoch auch Forderungen nach demokratischen Reformen dazu.
"Die Menschen in Birma wollen Freiheit und Frieden. Sie wollen der Welt zeigen, in welch schwieriger Situation sie sind." So sagte es der Abt eines Klosters. Und tatsächlich bekam die Welt in diesen Tagen gezeigt, wie schwierig die Situation für die Menschen in Birma ist. Etwa sechs Wochen lang haben wir gesehen, wie die Bevölkerung unterdrückt wird, wie schlecht die wirtschaftliche Versorgung ist und wie wenig die Menschenrechte beachtet werden. Besonders deutlich wurde das, als die Proteste blutig niedergeschlagen wurden.
Aber dann gab es andere Nachrichten. Und so wurde das Mitgefühl für die Menschen in Birma schnell von neuen Bildern überlagert: Wirbelsturm wütet in Bangladesch / Franz Müntefering tritt zurück / England schafft die Qualifikation zur EM nicht. Das waren die neuen Schlagzeilen. Und die Bewohner von Birma gerieten wieder dahin, wo sie schon vor den Aufständen gewesen waren: in Vergessenheit. Auch die Flutkatastrophe, die vor einigen Wochen die Region erschütterte, hat daran nur kurzfristig etwas geändert. Dabei ist die Situation in dem Land nach wie vor die Gleiche. Die Militärregierung ist immer noch an der Macht. Die Bevölkerung hat nicht mehr Freiheiten als vor einem Jahr. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist eher noch schlechter geworden. Nur interessiert sich in Europa und Amerika niemand mehr dafür.
Vermutlich wird es mit Tibet ähnlich gehen, wenn die olympischen Spiele vorbei sind. Im Moment ist uns die Situation der Menschen dort vor Augen. In einem Jahr werden wir sie wahrscheinlich vergessen haben. Obwohl die Situation dann immer noch dieselbe ist. Nun kann man sich natürlich auch nicht alles merken. Aber wir könnten ja mal versuchen, wichtige von unwichtigen Nachrichten zu unterscheiden. Wenigstens für uns selbst. Wenn wir innenpolitische Luftblasen oder hochstilisierte Sommerlöcher als das erkennen, was sie sind, können wir uns vielleicht auf die wichtigen Ereignisse auf unserem Planeten konzen¬trieren. Dann haben wir auf jeden Fall mehr Platz in unserem Gedächtnis für Menschen, die wirklich unsere Aufmerksamkeit brauchen. Sei es in Form von Mitgefühl, von Protesten oder von Gebeten.
Denn das ist es ja, was die Machthaber in Birma fürchten: Aufmerksamkeit. Solange niemand darauf achtet, was sie tun, können sie schalten und walten, wie sie wollen. Deswegen ist es wichtig, dass wir uns für Menschen interessieren, die in ebenso unbekannten wie unterdrückten Ländern leben.
Wenn wir allerdings das Gefühl haben, durch Aufmerksamkeit allein können wir nichts bewegen, so bleibt uns immer noch das Gebet. In der festen Überzeugung, dass Gott niemanden vergisst. Und dass Gott Veränderungen einleiten kann, wenn wir längst das Interesse verloren haben.
Birma
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