Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

17.07.08, Gernot Hoersch

Nicht-Entscheider

Neulich bin ich mit der Bahn zur Arbeit gefahren. Es war Messe, deshalb war die Bahn sehr voll. Da bin ich in die erste Klasse gegangen, um mich dort hinzustellen.

Da saß eine alte Dame mit ihrem Enkel. Irgendwann kamen Kontrolleure rein und die haben auch die Dame kontrolliert. Zu meiner Überraschung hatte sie nur ein Ticket für die zweite Klasse. Aber sie hat den Kontrolleuren gesagt, dass sie nicht so lange stehen konnte mit ihrem Enkel  und sie sich deswegen unbedingt setzen musste.

Die Kontrolleure sagten: Ja, das verstehen sie. Aber sie müssten  trotzdem alle aufschreiben. Etwas anderes könnten sie leider nicht entscheiden, sie müssten halt ihren Job erledigen! Diese Argumentation finde ich sehr schwierig. Mir ist klar, dass Kontrolleure am Tag eine Menge Ausreden zu hören bekommen, aber sie haben immer noch ihren eigenen Willen und ihren eigenen Menschenverstand. Nur auf den Job oder auf die Pflicht zu verweisen, das ist zu einfach. Genauso wurde vor 60 Jahren bereits schon einmal argumentiert.

Menschlichkeit und gutes Umgehen miteinander fängt schon im Kleinen an. Einfach nur Gehirn abschalten? So kann keine Gesellschaft funktionieren.

Sprecher: Gernot Hoersch

Audiobeitrag Nicht-Entscheider


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