Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

29.06.08, Bettina von Clausewitz

Kambodscha – Unauslöschliche Erinnerung

Autorin: „Kambodscha lächelt wieder“, verkünden manche Reiseführer, die Werbung für das malerische Land im Süden Thailands machen.

Musik: The Music of Cambodia: Solo Instrumental Music vol 3.  Phnom Penh, Celestial Harmonies, 26. Juli 2005, UPC 01 37 11 30 76 27, WAPI (Tower ID) 10 66 21 804, (Lok Om) Yeum Sang, Track 7, Sam Pong (5’38)

Autorin: Daran hat auch der Völkermord in den 70er Jahren nichts geändert, die Terrorherrschaft der Roten Khmer, die viele traumatisiert hat, bis heute. Lächeln und Schweigen, das gehört in dem buddhistischen Land zusammen, aber es erschwert auch die Vergangenheitsbewältigung. Nur wenige Menschen sprechen so offen von ihren Erlebnissen, wie der evangelische Pfarrer Eang Chhaun.“

O-Ton: (I myself have experienced ...) Ich habe alles Schlimme des Pol Pot-Regimes selbst erlebt. Sie wollten mich sogar töten, nachts als ich auf dem Reisfeld gearbeitet habe. Sie haben uns gezwungen, die schlimmsten Arbeiten im Dorf zu machen – wenn nicht, bringen sie dich sofort um! Aber Gott hat mich beschützt, ich habe begriffen, dass ich wie ein Sklave werden musste, um zu überleben.  

Autorin: „Gott hat mich beschützt“, sagt der 58-jährige Eang Chhaun, der aus einer  buddhistischen Familie stammt und erst sehr viel später Christ wurde. Aber Christen, Buddhisten und Moslems haben gleichermaßen unter der Terrorherrschaft der Pol Pot-Regierung von 1975 bis 1979 gelitten. Damals kamen bis zu zwei Millionen Menschen um, etwa ein Viertel der Bevölkerung. Denn in ihrem Wahn, einen kommunistischen Bauernstaat zu errichten, zerstörten die Roten Khmer Religion, Kultur und Bildung. Schon eine Brille zu tragen oder ein Buch zu lesen, konnte tödlich sein.  Im biblischen Leitwort für den Monat Juni heißt es:   

Sprecherin: Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden.

Autorin: Der Vers stammt aus einem Lied des Volkes Israel auf der Flucht, nachdem die Ägypter spektakulär im Roten Meer umgekommen waren. Gott hatte ein Wunder getan und seine Leute gerettet. In anderen biblischen Geschichten jedoch dauert es lange, bis Gewaltherrscher vom Thron stürzen. Zu lange. So wie in Kambodscha. Für den Theologen Eang Chaun, ist die Liebe Gottes trotzdem präsent, auch in seiner Rettung. Versöhnung ist für ihn keine leere Formel, sondern eine Herausforderung, wenn er nachts etwa von Albträumen geweckt wird:  

O-Ton: (I follow Jesus word and  he says ...) Ich folge dem Wort von Jesus, der gesagt hat, man soll 7 mal 70 mal vergeben. Wir glauben, das ist richtig. Deshalb  versuchen wir das Böse zu ignorieren und zu vergeben, das ist unser Weg“

Autorin: Vergeben bedeutet für Christen in Kambodscha trotzdem nicht, zu vergessen. Im Herbst 2007 hat ein UN-Tribunal gegen Führer der Roten Khmer seine Arbeit aufgenommen. Für Eang Chaung ein Hoffnungszeichen, auch wenn es ihm nicht so sehr um Strafe geht, sondern darum, dass die fast 30 Jahre alten Verbrechen gegen die Menschlichkeit endlich als solche benannt werden:

O-Ton: Das Tribunal ist außerordentlich wichtig! Wir dürfen die Vergangenheit nicht auslöschen, denn die junge Generation muss unsere Geschichte doch auch begreifen und ihre Lektion über Nationalismus lernen. Wir vergeben den Tätern, aber vergessen können wir nicht. Es  geht nicht um Rache, sondern darum die Herzen weiter zu entwickeln! (...to develop!)     

 

Audiobeitrag Kambodscha – Unauslöschliche Erinnerung


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