Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

05.07.08, Pastor Christoph Neumann

"Lebensmittel"

„ Die fetten Jahre sind vorbei. Jetzt kommen die mageren sieben!“ so sagte mir kürzlich ein Bekannter, als wir uns über die steigenden Lebensmittelpreise und Energiekosten

unterhielten. Alles wird teurer: Getreide, Milchprodukte. Rohstoffe, Benzin und Öl. Und Gas. Es ist ja wirklich beunruhigend, was uns da fast täglich an drohenden Teuerungen angekündigt wird. Nicht nur, dass der Bedarf an Lebensmitteln in den Schwellenländern steigt. Der Wohlstand dort führt auch dazu, dass große Mengen an Weizen und Milch importiert werden. Dazu kommt die Klimaveränderung, die zum Teil sehr hohe Ernteausfälle mit sich bringt. Zum Beispiel in Australien. Für viele Bauern ist dort die Lage dramatisch, nicht wenigen droht der Konkurs, sollte die nächste Zeit nicht endlich Regen bringen. Mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Fläche liegt in den Dürregebieten und Niederschläge sind zurzeit wenigstens nicht in Sicht. Zitrusplantagen, Weizenbauern und selbst der Milchwirtschaft fehlt es an kostbarem Nass für die Bewässerung. Auch Großstädte wie Melbourne bekommen den Wassermangel zu spüren. Dort ist der Stand in den Reservoirs niedriger als zur gleichen Zeit im Vorjahr. Die Speicher sind zur Hälfte leer und die Bewohner müssen bereits mit den ersten Verbrauchsbeschränkungen leben.

Die fetten Jahre sind vorüber – jetzt kommen die dürren. Dieses Bild stammt aus der Bibel. Da hat ein Herrscher in Ägypten einen Traum: Sieben fette Kühe steigen aus dem Nil. Die gehen auf die Weide. Und nach ihnen kommen sieben weitere Kühe aus dem Nil. Die sind hässlich und mager und fressen die fetten Kühe auf.

Josef, ein Mann, den Gott mit besonderer Weisheit und Weitsicht begabt hat, erkennt, was dieser Traum bedeutet: Die sieben fetten Kühe bedeuten sieben Jahre mit einem guten Ertrag. Und die sieben mageren Kühe sieben Jahre, in denen mit großen Ernteausfällen zu rechnen ist. Der Pharao versteht die Botschaft aus den Träumen. Er ernennt Josef zum zweitmächtigsten Mann und gibt ihm freie Hand.
Josef veranlasst, dass in den Zeiten der guten Ernten, kräftig gespart wird. Damit bei Ernteausfällen auf die Reserven zurückgegriffen werden kann. Auf diese Weise gab es damals auch in sehr schwierigen Erntejahren genug zu essen.

Sind die fetten Jahre auch bei uns vorbei, wie mein Bekannter sagte? Sicher. Es wird alles teurer. Und es gibt in anderen Ländern Ernteausfälle, die verkraftet werden müssen. In einer globalisierten Welt ist vieles kompliziert. Da gibt es keine einfachen Lösungen. Und trotzdem. Die biblische Geschichte von den fetten und mageren Jahren kann uns helfen, globaler zu denken. Hier bei uns, wo wir immer noch sehr gute Ernten erleben, sparsamer mit den Grundnahrungs¬mitteln umzugehen. Im Großen wie im Kleinen. Als die Medien über die gestiegenen Getreidepreise berichteten, hieß es, dass die Silos in Deutschland leer gefegt seien.

Wäre es nicht weiser, in Zeiten guter Erträge Vorräte zu sammeln? Damit bei Ernteausfällen genug da ist. Nicht nur für uns selbst, sondern auch für Menschen in anderen Ländern? Es ist erschreckend, wenn aus einem Grundnahrungsmittel wie Milch Fasern für Textilien hergestellt werden oder Nahrungsmittel wie Getreide als Brennstoff ins Gespräch kommt.

Auch jeder einzelne von uns ist gefragt, wenn es um den sparsamen Umgang der natürlichen Resourcen geht. Ob das beim Essen und Trinken ist, beim Autofahren oder bei der Kleidung, die wir tragen. Denn wir haben nur diese eine Welt und keine zweite im Kofferraum.

 

 

Audiobeitrag "Lebensmittel"


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