Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

01.07.08, Pfarrer Dr. Sven Keppler

Du sanftestes Gesetz

Musik. Sanftestes Gesetz aus: CD Schönherz & Fleer, Rilke Projekt, „Überfließende Himmel“, LC12369 / Autor: Heimat ist für mich ein Gegenüber.

Wie die Eltern, denen ich mich verdanke. Und an denen ich mich abarbeite. Ein Gegenüber, nach dem ich mich sehne. Ein verlorener Ort, den ich doch nie verlassen habe. Ursprung und Ziel. Sie bestimmt mich wie ein „sanftestes Gesetz“.

Musik: Ich liebe dich, du sanftestes Gesetz, an dem wir reiften, da wir mit ihm rangen; du großes Heimweh, das wir nicht bezwangen, du Wald, aus dem wir nie hinausgegangen, du Lied, das wir mit jedem Schweigen sangen.

Autor: Diese Verse stammen aus dem Stundenbuch von Rainer Maria Rilke. Einhundert Jahre später hat Xavier Naidoo sie gesungen. Was ich Heimat nenne, dazu sagt Rilke: „Du sanftestes Gesetz“. Es ist das Gesetz meiner Natur, das mein Leben bestimmt. Das Gesetz, nach dem ich denke und fühle. Etwas in mir, und doch auch ein Gegenüber. Sanft und duldsam. Ein Geheimnis, schweigend, in dem sich Himmel und Erde berühren.

Musik: Lass deine Hand am Hang der Himmel ruhn und dulde stumm, was wir dir dunkel tun.

Autor: Ein Gegenüber, das ich anreden kann. Das ich bitten kann: um Nachsicht und Geduld. Zu dem ich Vertrauen habe, weil es die Quelle ist, aus der ich lebe. Das ist die höchste Form von Heimat. Das ist mein Gott.

Musik: Du hast dich so unendlich groß begonnen an jenem Tage, da du uns begannst, und wir sind so gereift in deinen Sonnen, so breit geworden und so tief gepflanzt, dass du in Menschen, Engeln und Madonnen dich ruhend jetzt vollenden kannst.

Autor: Ein einzigartiger Gott ist das, den Rilke und Naidoo besingen: Die Quelle und der Ursprung meines Lebens. Die Sonne, unter der ich reife. Tief verwurzelt er mich in der Erde. Und zugleich ist dieser Gott auf mich bezogen. Seine Größe wurde unendlich, als er uns Menschen schuf. Und zur Ruhe, zur Vollendung kommt er in uns, in Engeln und Madonnen. Zur Ruhe? Letztlich bleibt er doch immer größer als die von ihm geschaffene Welt. Deshalb steht am Ende doch wieder die Bitte:

Musik: Lass deine Hand am Hang der Himmel ruhn und dulde stumm, was wir dir dunkel tun.

 

Audiobeitrag Du sanftestes Gesetz


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