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Rechts oder links?
Soll ich jetzt rechts oder links fahren? Mein Freund steckte in einer schwierigen Situation. Es ging um seine Führerscheinprüfung. Geradeaus war die Einfahrt verboten.
Er musste abbiegen: rechts oder links. Aber der Fahrlehrer antwortete nur: Entscheiden Sie selbst! Das war zu viel. Er konnte sich nicht so schnell entscheiden und fuhr stattdessen einfach geradeaus.
Hinterher haderte er natürlich mit sich selbst. Und mit seinem Schicksal. Warum musste ich bloß selbst entscheiden? Und warum habe ich es nicht geschafft? Nichts ist schwieriger als eine freie Entscheidung. Besonders dann, wenn die Zeit drängt. Und wenn man hinterher die Verantwortung übernehmen muss.
Die Wissenschaft weiß heute immer besser, was dann im Gehirn passiert. Zuletzt hat der Hirnforscher John-Dylan Haynes mit einem Experiment für Aufsehen gesorgt. Er hat seinen Versuchspersonen eine einfache Aufgabe gestellt: Sie sollten einen Knopf drücken. Dabei konnten sie frei entscheiden, ob sie dazu ihre rechte oder ihre linke Hand nehmen. Sie mussten sich nur einprägen, wann sie sich entschieden hatten.
Gleichzeitig beobachtete Haynes die Gehirnaktivitäten der Versuchspersonen. Meist wusste er bereits im voraus, ob die Probanden sich für die linke oder für die rechte Hand entscheiden würden. Und das zu einem sensationellen Zeitpunkt: Ungefähr zehn Sekunden vor der bewussten Entscheidung gab es bereits die ersten Hinweise im Gehirn.
Wer sich frei entscheiden muss, hat also ein Problem: Eigentlich hat er sich schon längst entschieden, bevor er es merkt. Etwas in mir sagt: Nimm die rechte Hand. Etwas später denke ich: Ich will dann mal die rechte Hand nehmen. Und das tue ich dann auch. Zum Problem wird das genau dann, wenn diese Entscheidung falsch ist. Wie zum Beispiel bei meinem Freund, der sich fürs Geradeausfahren entschieden hatte, bevor er es merkte. Und der es dann vor lauter Aufregung sogar tat, bevor er seinen Fehler verbessern konnte.
Was ich tue und was ich eigentlich will, das passt nicht immer zusammen. Diese Beobachtung hat schon der Apostel Paulus gemacht. Seine Erkenntnis wurde später zu dem Sprichwort: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Heute verstehen wir besser, woran das liegt. Daran nämlich, dass wir uns oft längst entschieden haben, etwas zu tun, bevor wir es merken. Und dass wir uns dann nur noch mit Mühe davon abbringen können. Heute stellt sich genau wie zur Zeit des Paulus die Frage: Wie soll man mit diesem Problem umgehen?
Im Laufe der Zeit sind dazu im Christentum einige Hilfestellungen entwickelt worden. Die erste ist: Ich sollte mir klar machen, dass ich voll für mein Handeln verantwortlich bin. Auch wenn ich mich überfordert fühle. So wie mein Freund, der damals ohne wenn und aber durchgefallen ist.
Die zweite: Das beste Mittel gegen ungewollte Handlungen ist die regelmäßige Übung. Herauszufinden, welche Fehler ich öfter mache. Und mit viel Geduld zu versuchen, mein Verhalten zu verändern. Die dritte ist die wichtigste: Ich darf mir eingestehen, dass ich es aus eigener Kraft oft nicht schaffe. Es tut mir gut, andere um Unterstützung zu bitten. Aber auch Gott zu bitten um die Kraft zur Veränderung.
Rechts oder links?
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