Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

04.07.08, Silke Janssen

Rüstungsindustrie

Das hört sich niedlich und nach Heimatfilm an: Wiesel und Fuchs. Leopard und Luchs klingt da schon etwas bedrohlicher. Und kommt der Sache näher.

Denn dieser Tierpark ist eine Bezeichnung für Panzer, die in Deutschland hergestellt werden. Das Geschäft mit dem Tod“ so war vor kurzem ein Artikel über die internationale Rüstungsindustrie überschrieben. Weltweite Ausgaben auf Rekordhöhe, berichtete der Redakteur. Und dass Friedensforscher alarmiert sind, weil die weltweiten Rüstungsausgaben im Jahr 2007 einen neuen Höchststand erreicht haben.

Mal ganz abgesehen davon, dass man mit diesen Milliarden für Leben und nicht für den Tod sorgen könnte, wenn man damit den Hunger auf der Erde bekämpft. Auch nicht darauf geschaut, dass der Mensch in erster Linie verpflichtet ist, das Leben und die Erde zu erhalten und nicht zu zerstören. Oder dass es moralisch verwerflich ist, Waffen herzustellen, die andere Menschen verletzen oder töten. Als Christ fallen mir zu dem Thema Sätze aus der Bibel ein wie: „Liebet eure Feinde“. Oder: „Wenn Euch ein Mensch verletzt, dann haltet die andere Wange hin.“ Also zeig ihm ein anderes Gesicht und vergelte nicht Gleiches mit Gleichem. Eine Grundhaltung, die gerade nicht auf Konfrontation aus ist, sondern eine friedliche Auseinandersetzung mit meinem Gegner im Auge hat.

Diese Grundhaltung mag sich beim ersten Hinhören oberflächlich sanftmütig und einfach anhören. Und so typisch christlich naiv. Denn schließlich ist die Rüstungsindustrie ein Wirtschaftsfaktor. An ihr hängen Arbeitsplätze und satte Familien, Steuergelder und Einkommen für den Staat und Frieden. Viele Politiker hielten das Wettrüsten zur Zeit des Kalten Krieges für den Garant des Friedens. Was ja schlimm und pervers genug war. Aber genau da haken die Friedensforscher heute ein. Sie sagen, dass die internationale Rüstungskontrolle einem Scherbenhaufen gleiche. Heute stünden sich nicht mehr zwei Blöcke gegenüber, sondern eine Vielzahl von Akteuren auf dem Waffensektor machen die Lage unübersichtlich. Vor allem auf dem nuklearen Waffensektor. Damit würde die neue Hochrüstung bedrohlicher als der Kalte Krieg, sagen die Friedensforscher. 

Wie gesagt - Christen wird oft vorgeworfen, in ihrer Lebensgrundhaltung zu sanftmütig und zu zurückhaltend zu sein. Ich verstehe, was mit dieser Kritik gemeint ist. Denn manchmal denke ich auch, dass etwas mehr Mut zu Risiken oder Abenteuer ganz gut täte. Aber die christliche Grundhaltung ist nicht auf Show und Konfrontation aus. „Wer ist Dein Nächster?“, fragte Jesus einmal und stellte damit eine grundsätzliche Frage. Für den Nächsten da zu sein, den anderen zu achten und zu schätzen, ihn zu fördern und seine Begabungen zu entdecken darum geht es. Einem anderen nicht nur siebenmal zu vergeben, sondern sieben mal siebenmal. „Halte Deinen Egoismus zurück und habe den anderen im Blick“, sagte Jesus sinngemäß. Diese Grundhaltung wünschte ich mir auch bei den Machern der Hochrüstung. Vielleicht würden sie dann darauf verzichten, Öl in die Feuer und Brandherde dieser Welt zu gießen. Es nicht mehr billigend in Kauf nehmen, dass Kinder sterben oder verletzt werden und ihnen die Zukunft zu nehmen. So könnte Frieden auf Erden entstehen.

Wenn Sie jetzt sagen: Das ist ein frommer Wunsch, dann antworte ich aus ganzem Herzen: Ja.

Audiobeitrag Rüstungsindustrie


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