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Mitternachtsmission - Nächstenliebe im Rotlichtmilieu
O- Ton: Wir haben hier in Dortmund Eltern, die ihre Töchter verkaufen, zum Beispiel aus Rumänien, wo die Väter aufpassen, die Mütter auch in der Nähe sind,
wenn die Töchter sich da auf der Straße anbieten. Und das ist ja nicht, weil das irgendwie gemeine Eltern sind oder Sadisten, sondern weil sonst die Familie im Herkunftsland nicht überleben kann.
Autorin: Sozialarbeit im Rotlichtmilieu für Jutta Geißler Hehlke von der Dortmunder Mitternachtsmission ist das Engagement für Prostituierte Beruf und Berufung zugleich. Fürsorge und ein offenes Herz für andere ohne auf die Uhr zu sehen, das ist der 60-Jährigen zur zweiten Natur geworden. Seit 1986 leitet Jutta Geißler-Hehlke die christliche Beratungsstelle für Prostituierte und Opfer von Menschenhandel in Dortmund, eng verbunden mit dem Diakonischen Werk. Allein 2007 hatten die Mitarbeiterinnen Kontakt zu rund 1.800 Prostituierten, darunter viele Arbeitsmigrantinnen aus Osteuropa, Asien oder Afrika.
O-Ton: Wir sind der Ansicht, dass Prostitution kein Beruf ist wie jeder andere. Wir denken, dass das den Körper und die Seele kaputt macht. Aber wir sagen nicht: Du musst jetzt sofort damit aufhören! Sondern wir akzeptieren erstmal die Situation. Und nehmen den Menschen in der Situation an, wie er ist.
Atmo: Film-Trailer Pretty Woman (1990), Musik über Autos in Hollywood, kurzer Dialog
Autorin: Pretty Woman die weltberühmte Kino-Romanze von der schönen Hollywood-Hure und ihrem reichen Traumprinzen - leider nur ein Märchen, wie die Sozialarbeiterinnen der Mitternachtsmission bei ihren Besuchen in Bordellen, Kneipen oder Bars täglich erleben. Sie beraten, begleiten und helfen auf Wunsch beim Ausstieg aus dem Milieu. Genau wie die frommen Ordensschwestern der evangelischen Frauenmission Malche, die die Mitternachtsmission vor 90 Jahren gegründet haben.:
O-Ton: Da ging es also in erster Linie darum, dann zu sehen: Ich bin Jesus Christus und Gott was wert und deshalb bin ich wertvoll! Und das Gleiche machen wir heute noch: Das Selbstwertgefühl stärken, auch zu sagen: Du hast Fähigkeiten. Unsere Motivation, die hat sich nicht geändert. Das ist ja der christliche Auftrag.
Autorin: Der Name Mitternachtsmission mag etwas altmodisch klingen, nach Seelenrettung und Gefährdetenfürsorge alten Stils. Das Konzept christlicher Nächstenliebe jedoch ist zeitlos aktuell, auch in Zeiten der Globalisierung, mit bis zu 80 Prozent ausländischen Prostituierten bundesweit. Heute wie damals geht es darum, Menschen ihre Würde wiederzugeben. Und zum Beispiel dafür zu sorgen, dass Eltern ihre Kinder nicht (!) auf der Straße feilbieten. Oder Frauen wegen ihrer Arbeit verachtet werden.
O-Ton: Es ist immer noch das schlimmste Schimpfwort zu einer Frau du Hure! zu sagen oder du Nutte!. Die werden behandelt wie der letzte Dreck, und die fühlen sich auch so. Also ich würde sagen, das ist ein Mythos, dass Prostitution jetzt mehr anerkannt ist und dass es einfacher ist, das ist nicht so.
Autorin: Auf diesem Hintergrund ist die Arbeit der Mitternachtsmission heute so wichtig wie schon zu Gründungszeiten. Damals haben die Schwestern mit Tracht und Haube den Mut gehabt, ins Rotlichtmilieu zu gehen. Ebenso wie Jesus den Prostituierten seiner Zeit von der Liebe Gottes erzählt hat, um ihnen neue Lebensperspektiven aufzuzeigen. Die Aufgabe bleibt, solange käufliche Liebe ein verstecktes Geschäft ist, mit skrupelloser Ausbeutung.
Im Internet: www. standort-dortmund.de/mitternachtsmission/
Mitternachtsmission - Nächstenliebe im Rotlichtmilieu
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