Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

17.06.08, Pfarrer Ralph Frieling

"Neuer Morgen, neue Güte"

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! Stellen Sie sich vor: Ein Bekannter von Ihnen isst zum Frühstück verbrannten Toast und verkohlte Rühreier,

er trinkt saure Milch und fährt zur Arbeit mit verschwitztem Hemd und ohne sich zu rasieren. Am Abend kommt er wieder und beschwert sich und sagt: „Ich hatte einen schlechten Tag.“

Sie und ich könnten ihm sagen, woran es liegt. Er hatte seinen Tag schon schlecht begonnen. Manchmal haben wir auch einen schlechten Tag. Dann tun wir dasselbe wie jener Bekannte - mit unserem Innenleben. Da wachst du auf und denkst dir: heute nicht! Heute habe ich überhaupt keine Lust. Wenn dieser Tag doch schon zu Ende wäre... - Nicht nur Morgenmuffel kennen dieses Gefühl. Riesige Aufgaben oder unbequeme Begegnungen warten. Was tun? Hilft ja alles nichts, also Augen zu und durch: aufstehen, waschen, einen Kaffee und los und dabei das Gefühl haben, ich bin unzufrieden und mir geht es schlecht.

Oder man steht einfach mit dem falschen Fuß auf, ist gereizt, beim Autofahren, bei der Arbeit, zu Hause, du weißt gar nicht mal, warum die schlechte Laune, aber wetten, es wird ein schlechter Tag.

Doch nirgendwo steht geschrieben, dass das so sein muss. Womöglich lässt sich solch ein Tag ja schon am Morgen retten. Indem wir uns etwas Zeit nehmen für uns selbst, für unser Innenleben, 5 Minuten Ruhe, bevor alles los geht. Im Bett, oder in der Küche oder auf dem Balkon: eine ruhige Zeit, in der ich mich auf den Tag konzentriere, ohne mich nebenher zu beschäftigen. In der Stille werde ich ruhiger, lasse mir alles, was heute ansteht, durch den Kopf gehen. Ich nehme für einen Moment bewusst Abstand von allem, was mich ärgert oder nervös macht. Ich denke an das, was mich freut, das gemeinsame Abendessen nachher, der Ausflug am Wochenende. Vielleicht denke ich mir auch einen guten Wunsch aus für meine Frau, für meine Kollegen, für Menschen, mit denen ich es heute zu tun habe.

Zeit, um nach innen zu schauen und die eigene Seele zu pflegen - ich merke, wie gut das tut - wie ein gutes Frühstück. Sich ein paar Minuten Zeit nehmen, die ich sonst ja auch anders füllen könnte - mit weiterschlafen, mit aufräumen, telefonieren, mit Zeitunglesen und anderen dutzend Dingen, die sich mir aufdrängen mögen und die mich am Morgen doch von mir selbst ablenken.

Einige Minuten, bevor der Tag los geht: Diese Zeit ist nur für mich reserviert und auch für Gott. Ich nutze meine morgendliche Stille, um zu beten. Manchmal werde ich dabei gelassener, manchmal mutiger und oft sammle ich Kraft innerlich. Gott gibt sie mir. Und an Morgenmuffeltagen gewinne ich auch Abstand von den Sorgen, und die Laune wird besser. In der Bibel heißt es, ausgerechnet in den Klageliedern des Jeremia (Klg 3,22-23): Gottes Güte ist alle Morgen neu.

Audiobeitrag "Neuer Morgen, neue Güte"


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