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"Angehörige pflegen"
Liebe Hörerinnen und Hörer, guten Morgen! Die Diagnose traf sie wie der Schlag: ihr Mann hatte Krebs. Bösartig, wie der Chefarzt sagte.
Da saßen sie in seinem Behandlungszimmer. Was jetzt?, dachte die Frau, Alles wird anders. Ihr Mann schaute sie an: Tja, sagte er, weiter nichts.
Wo jemand krank ist, leidet die Familie mit. Alles ändert sich. Gemeinsame Pläne liegen auf Eis. Die Diagnose trifft nicht nur den Kranken oder die Kranke, sondern das ganze Umfeld. Die Angehörigen teilen die Hoffnungen genauso wie Enttäuschungen im Verlauf der Therapie. Mit der Krankheit ändert sich das Leben auch für den Lebenspartner, für die Kinder, für die Eltern. So wie in dieser Geschichte aus der Bibel. (Mk 9,14-29):
Ein Vater kommt mit seinem Sohn zu Jesus. Der Junge leidet an epileptischen Anfällen. Niemand konnte ihn bisher heilen. Ich habe meinen Sohn bei mir, sagt der Vater zu Jesus, der hat einen stummen Geist. Ich habe keine Ahnung, was es für eine Krankheit ist. Dieser Geist reagiert auf keine Heilungsversuche, es ist ein taubstummer Geist. Und wenn es ihn erwischt, meinen Jungen, dann hat er Schaum vor dem Mund. Er knirscht mit den Zähnen, seinen Körper kann er nicht kontrollieren, er krampft und wird starr.
Jesus sieht den Jungen. Der bekommt prompt einen Anfall. Er zittert, fällt auf die Erde, windet sich hin und her, Schaum tritt auf seine Lippen. Jesus sieht vom Jungen zum Vater auf. Er wird nicht einfach und zuerst das Kind heilen, sondern er wendet sich dem Vater zu, seiner Familie. Auch der Vater braucht eine Therapie. Seit sein Sohn laufen konnte, musste auch er, der Vater, mit der Krankheit leben. Er musste es lernen, das zu akzeptieren: Mein Kind ist krank und nicht wie die anderen. Mein Junge ist behindert, epileptisch, oder, wie man damals sagte, besessen. Wie sehr hat er sich gesorgt, immer war er auf dem Sprung, immer hat ein Auge auf das Kind gehabt.
Wie lange schon, fragt Jesus? Von Kind an, sagt der Vater. - Ihm fallen die Male ein, wo er nicht genug aufgepasst hatte oder wo er nicht schnell genug war. Wie er einmal sein Kind gerade noch aus dem Feuer retten konnte, als es fiel. Oder wie er den Jungen gerade noch aus dem Wasser ziehen konnte, als er beim Spielen einen Anfall bekam. Schon oft war der Junge in Gefahr gewesen. Und nie konnte der Vater ihn vor den plötzlichen Anfällen schützen. Bei dem Vater hat sich viel an Sorgen und Enttäuschungen aufgestaut. Diesem verborgenen Leid spürt Jesus nach, indem er den Vater reden lässt. Und der öffnet sich und erzählt die Krankengeschichte, die ihn und seinen Sohn beschäftigt, Tag und Nacht. Dann sagt er zu Jesus: Wenn du das kannst, dann hab Mitleid und hilf uns, meinem Kind und mir! Jesus wendet sich dem Jungen zu. Mit einem Machtwort und mit einem Wunder treibt er den stummen Geist aus, der Junge wird gesund.
Und der Mann und seine Frau? Sie haben gelernt, mit seiner Krankheit zu leben, mit der Chemo, mit den Bestrahlungen, mit dem Warten auf die Ergebnisse der Blutuntersuchungen. 2 Jahre läuft das schon so. Es ist mühsam und es ist schwer. Und doch hat sich ihre Beziehung vertieft, haben sie mir erzählt. Sie gehen weiter, sorgenvoll, hoffend, gemeinsam.
"Angehörige pflegen"
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