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Fußball-Gemeinde
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 sie war ein Sommermärchen. Heute zwei Jahre später - stehen wir wieder mitten in einer Meisterschaft.
Selbst Fußball-Ignoranten lassen sich vom Rummel um Podolski, Friedrich, und Borowski anstecken. Auch in einigen Kirchengemeinden werden die Spiele auf Großleinwände übertragen und gemeinsam mit anderen angesehen. Erstaunlich wie sich dabei neue Gemeinschaften finden. Das gemeinsame Fußball-Erlebnis kann identitätsstiftend für Gruppen, für Gemeinden und vielleicht sogar für ein ganzes Volk sein. Wann sonst hören wir unsere Nationalhymne, sehen wir die Deutschlandfahnen an den Autos so gerne wie in diesen Tagen, denen einer internationalen Meisterschaft?
Die Begeisterung, die eine solche Meisterschaft auslösen kann, erinnert mich daran, wie die ersten Gemeinden in der Zeit Jesu entstanden sind: Jesus sammelte Menschen um sich. Sie waren gemeinsam begeistert für das Reich Gottes. Und die Menschen damals erlebten Wunder in ihrer Welt. Keine Fußball-Wunder, aber auch Ausnahmeerscheinungen, mit denen keiner gerechnet hatte: Da wurden Kranke gesund, Ausgestoßene in die Gemeinschaft integriert und Arme unterstützt. In den frühen Berichten aus den Gemeinden heißt es: Sie blieben aber beständig in der Gemeinschaft.
Ich freue mich über die Gemeinschaftserlebnisse, die durch diese Fußball-Europameisterschaft erst möglich werden. Über Gespräche, die sonst nicht geführt worden wären, über gemeinsames Lachen und Zittern, über Fachsimpeln und Mitfiebern. Weil ich weiß, dass auch unser Glaube von diesen Gemeinschaftserlebnissen mit anderen lebt. Denn es ist nicht wahr, dass jeder und jede seinen und ihren eigenen Glauben gut mit sich selbst ausmachen kann und keine Gottesdienste und Gemeinden dafür bräuchte. Glauben ist wie Fußball: ein Mannschaftssport.
Vom Fußball-Bundestrainer, Sepp Herberger, der die deutsche Nationalelf 1954 im Wunder von Bern zur Weltmeisterschaft geführt hatte, sind einfache Fußballweisheiten überliefert. Er wiederholte immer: Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Und: Der nächste Gegner ist immer der schwerste.
Für Menschen in der Kirche ist der Ball nicht rund, sondern eckig und heißt Bibel. Die bringen sie immer wieder ins gemeinsame Spiel. Und ihr Spiel dauert das ganze Leben. Darum ist auch für Menschen in der Kirche nach dem Spiel, also nach dem Tod, vor dem Spiel. Das ist die christliche Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Sie hoffen auf ein Finale, bei dem es nicht nur einen Europameister geben wird. Da sollen alle gewinnen. Fremde werden zu Nachbarn und Gegner zu Freunden. So lautet die Verheißung Gottes für den Himmel. Damit schon heute ein Stück Himmel auf Erden sichtbar wird, dafür setzt Kirche sich ein. Darum ist der nächste Gegner nicht länger der schwerste, sondern der erste, der zum Freund werden soll. Ich wünsche mir, dass uns diese Fußball-Europa-Meisterschaft dabei hilft, die Werte des Mannschaftsspiels Glauben wieder zu entdecken.
Fußball-Gemeinde
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