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Darwin, ein Heiliger?
Plötzlich ging der Streit heftig hin und her: Seit Darwin wissen wir, dass der Mensch vom Affen abstammt. Unsinn. Das hat Darwin nie behauptet!
Aber Darwin hat den Glauben an Gott den Schöpfer zerstört. Meinen hat er nicht zerstört! Seit Darwin ist der Glaube wissenschaftlich widerlegt. Nein, im Gegenteil, wir Christen können viel für unseren Glauben von ihm lernen! Ausgerechnet von dem!
Fetzen des Gesprächs sind mir noch in der Erinnerung. Ich redete nicht mit, aber innerlich hatte ich längst Partei ergriffen. Ich bin nämlich der Ansicht, wir Christen könnten viel von Darwin lernen. Darwin war ein unglaublich fleißiger, neugieriger und hartnäckiger Forscher.
Diese Neugier könnten wir Christen bei ihm abgucken. Sie ist unter uns viel zu selten. Manche kokettieren mit ihrem Desinteresse. Nein, von Biologie und Naturwissenschaft versteh ich gar nichts,
Vielleicht fehlt uns Christen die Neugier, weil wir insgeheim fürchten, am Schluss könnte die Wissenschaft beweisen, dass das mit dem Glauben alles nicht stimmt, dass es gar keinen Gott gibt. Tatsächlich, vor kurzem erst sind Bestseller erschienen mit der Botschaft: Lasst doch den Gotteswahn, die Naturwissenschaft hat schlüssig bewiesen, dass es Gott nicht gibt.
Als ob die Wissenschaft so etwas beweisen könnte! Das kann sie nicht. Aber sie kann bisweilen unseren Glauben korrigieren. Jahrhunderte lang haben wir gesagt: Gott hat die Natur erschaffen. Aber Darwin und seine Nachfolger haben bewiesen: Das hat sich alles aus sich selbst entwickelt. Sogar wir Menschen sind aus der Tierwelt heraus entstanden. Das war zu viel für viele Christen. Mit dem Ruf: Wir stammen doch nicht vom Affen ab!stürzten sie sich in den Abwehrkampf. Schade, dass die Kirchenleute damals auf Darwin eingeschlagen haben, statt von ihm zu lernen und die Lehre der Evolution zu übernehmen.
Dann hätte man in Ruhe nachdenken können und wäre vielleicht schnell darauf gekommen: Einerseits sind wir zwar Produkte der Natur. Da hat Darwin recht. Andererseits ernennt uns Gott zu seinen Söhnen und Töchtern. Die Bibel zeigt, was man als Kind Gottes glauben kann, hoffen darf und wie man handeln soll. Und da hat der Glaube Recht.
Man hätte in Ruhe nachdenken und sehen können, wie gefährlich es ist, wenn die Evolutionslehre als Begründung für einen Kampf aller gegen alle auf das Miteinander von Menschen bezogen wird, also zu einem Sozialdarwinismus verkommt, wenn sie das Wirtschaftsleben und die Politik bestimmt. In unserer Wirtschaftsordnung tobt sich ein böser Darwinismus aus. Das Recht des Stärkeren gilt. Und die Schwächeren werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt.
Nicht gegen die Evolutionslehre hätten die Christen kämpfen sollen. Aber aufschreien müssen, als die Evolutionslehre auf die angebliche evolutionäre Überlegenheit der germanischen Rasse über die jüdischen Untermenschen gelehrt, geglaubt und angewandt wurde.
Ich fürchte, wenn wir Christen richtige naturwissenschaftlich Einsichten wie die Evolutionstheorie nicht wirklich ernst nehmen, wird man uns nicht ernst nehmen, wenn wir gegen ihren Missbrauch als Sozialdarwinismus in unserer Gesellschaft kämpfen.
Darwin, ein Heiliger?
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