Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

06.06.08, Pfarrer i.R. Burkhard Müller

Kreationisten

An 20 000 Lehrer, vor allem in der Türkei, aber auch in Frankreich und in Deutschland, hat der moslemische Türke Adnan Oktar seinen aufwendigen Hochglanz-Atlas der Schöpfung

verschickt. Hunderte Bilder von Fossilien sollen beweisen, dass die Lebewesen sich nicht allmählich entwickelt haben, sondern dass Gott alle Arten in ihrer endgültigen Form erschaffen hat.

Etwas Ähnliches wollen Christen in den USA mit ihren „Museum für  Schöpfung und Weltgeschichte“ in San Diego erreichen.Ein Modell der Arche Noah mit genauen Maßangaben, ein Schädel eines antiken Toten, Tiere in Schaugläsern, eingelegt in eine konservierende Flüssigkeit, und viele Fossilien werden gezeigt: als Beweise für die Wahrheit des Schöpfungsberichts der Bibel.

Und auch bei uns in Deutschland gibt es eine christliche Gruppe „Wort und Wissen“, die den Zweifel an der Evolutionstheorie verbreiten will. Mitten im wunderschönen  Schwarzwald, in Baiersbronn, arbeitet Reinhard Junker daran, der Geschäftsführer von „Wort und Wissen“. Ihm wird die Überzeugung nachgesagt, dass die Erde in 6 Tagen erschaffen wurde, dass Mensch und Affe natürlich nicht die gleichen Vorfahren haben, dass die Erde nicht älter ist als 10 000 Jahre, dass sicherlich Dinosaurier und Menschen gleichzeitig auf der Erde herum spaziert sind.

Aber so werden sie die großartigen Erkenntnisse der Naturwissenschaft nicht  widerlegen können. Und auch die Ergebnisse der theologischen Wissenschaft müssten ernster genommen werden. Jahrhunderte hat man geglaubt, die Bibel sei auch eine Art Naturkundebuch mit Sachinformationen über die Entstehung der Welt z. B. in 6 Tagen. Aber die Theologie hat präzise herausgearbeitet, dass die Bibel nicht als Naturkundebuch sondern als Glaubensbuch gelesen werden soll. In der Bibel stehen zwei gegensätzliche  Schöpfungsberichte unmittelbar hintereinander. Bei dem einen wird der Mensch am Schluss erschaffen. Bei dem andern ist erst der Mensch da, dann kommen Pflanzen und Tiere des Paradieses.

Sie konnten damals diese zwei verschiedenen Schöpfungsberichte zusammenstellen, weil es ihnen nicht um Naturwissenschaft und Faktenwissen ging, sondern um Glaubenswahrheiten und Lebensdeutung. Naturwissenschaft und Glaube haben oft die gleiche Sache im Blick, aber aus unterschiedlicher Perspektive.

Nehmen wir ein Beispiel. Wenn ich erkranke, bin ich froh einen Arzt zu haben, der meine Krankheit mit guter medizinischer Kenntnis behandelt. Dafür ist die Naturwissenschaft sehr gut.

Der Glaube aber kommt ins Spiel bei der Frage, wie ich mit solcher Krankheit innerlich umgehe, wo ich als Kranker trotzdem einen Lebenssinn erkenne, wie ich meinen Frieden schließe mit der Krankheit und was daraus letztendlich Gutes werden kann.Und nur solche Fragen interessieren den Glauben wirklich.

Audiobeitrag Kreationisten


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