Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

07.06.08, Pfarrer i.R. Burkhard Müller

Gott kein Lückenbüßer!

Darwin hat Gott als Schöpfer der Natur arbeitslos gemacht. Die Natur um uns herum sei ganz von selbst entstanden, stellt er fest.

Diese Behauptung treibt manchem Christen den Blutdruck in die Höhe. „Nein“, sagen sie, „wenigstens am Anfang von Allem hat Gott dem Weltall das Leben eingehaucht.“ Und weil die Wissenschaft über den allerersten Anfang keine Aussage macht, können sie das gefahrlos behaupten.

Und noch eine Lücke entdecken sie: Angeblich soll sich jede Tierart aus einer anderen Tierart entwickelt haben. Aber diese Entwicklung lässt sich  nicht immer lückenlos durch Knochenfunde nachweisen. Da trumpfen sie auf: „Da, seht ihr, eine Lücke zwischen zwei Arten. Die neue Art ist eben nicht von selbst aus einer anderen entstanden, sondern da hat ein Schöpfer eingegriffen, ein intelligenter Designer. Der hat die neue Art erschaffen.“

Das ist geradezu rührend, wie sie sich um Gott sorgen, ihm einen Platz retten wollen, den ihm die Wissenschaft nicht streitig macht.

Trotzdem: Mir können diese Glaubenstheoretiker gestohlen bleiben, die Gott retten wollen, indem sie seinen Schöpferauftritt ganz an den Anfang legen oder ihn in Lücken sperren.

Ich habe doch deshalb meinen Glauben, weil Gott jetzt in meinem Leben wichtig ist. Und nicht, weil irgendein höheres Wesen am Anfang  oder in irgendwelchen Lücken sein Wesen treibt.

Wie zermartern sich manche Menschen den Kopf mit der Frage, warum Gott dies oder das getan hat. Dabei hat er es gar nicht getan.

Erfinden wir dazu eine Geschichte. Ein frommer Mensch wird von einem Auto angefahren. Nun liegt er sterbend auf dem Straßenpflaster. Aber just in dem Moment kommt ein Arzt vorbei und rettet den Schwerstverletzten im letzten Moment.

Ist das nun ein Wunder, das Gott getan hat, und warum hat er es getan? Denn wenn Gott den Arzt geschickt hat, warum hat er vorher zugelassen, dass dieser schwere Unfall passiert? Hat Gott beides getan oder keins von beidem? Unser frommes gerettetes Unfallopfer hält klugerweise beides für Zufall. Wieso soll da Gott im Spiel gewesen sein! fragt er erstaunt. Und wie ich finde: mit Recht!

Aber jetzt nach diesem Unfall ist ihm Gott wichtig. Sagte nicht Paulus: „Denen, die Gott lieben, muss alles zum Guten dienen“? Er will sich von Gott zeigen lassen: was jetzt durch diesen Unfall gut werden kann, vielleicht sogar besser als vorher. „Gott, zeig mir, wie ich mit diesem kostbaren Leben richtig umgehen soll“, betet er.

Er merkt: welch ein Glück, leben zu dürfen! Das Leben ist kostbar. Was willst du Gott jetzt von mir? Wie kann ich meine neu geschenkten Lebenstage mit einem guten Inhalt füllen? Jedenfalls löst sein Glauben an den „Gott jetzt“  ein kreatives Fragen und Suchen aus. Der Glaube an den „Gott jetzt“ ist für uns wichtig. Wenn mein Gott nur irgendwo in Lücken, die die Naturwissenschaft noch nicht geschlossen hat, einen Platz reserviert bekäme, dann wäre er doch praktisch tot. Gott als Lückenbüßer? Das wäre viel zu wenig. Aber wenn ich jetzt an ihn glaube und an seine Kraft in meinem Leben jetzt, dann ist Gott wahrhaft in mir lebendig.

Audiobeitrag Gott kein Lückenbüßer!


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