Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

03.06.08, Pastor Stephan Kiepe-Fahrenholz

Zweihundert Jahre Wichern - Einsatz für Straßenkinder

Autor: Kräftig, fast bullig ist er und hat immer einen Scherz auf den Lippen – mit beiden Händen stützt sich Horst Jahny auf die Theke im Kontaktcafe für Straßenkinder –

mitten in Duisburg. Zeit seines Lebens hat der gelernte Stahlwerker am Hochofen gestanden – jetzt arbeitet der Rentner ehrenamtlich bei der Diakonie. In einer Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die auf der Straße leben:

O-Ton: „Die können sich bei uns duschen, die können ihre Wäsche waschen, wir haben nen Trockner da, wir bekochen die Jugendlichen auch. und die können Spiele machen, oder wir sind sofort bereit, uns mit den Jugendlichen auch zu unterhalten über Probleme, die sie haben, wenn die auf der Straße leben, oder vor Gericht zu gehen, wenn irgendetwas ist. Wir haben Jugendliche zum Beispiel, die schon’n paar Mal eingesessen haben im Jugendgefängnis, und es ist halt traurig, so was zu sehen dann.“

Autor: Horst Jahny war immer, was man einen glücklichen Familienvater nennt. Auch beruflich hat er viel mit Jugendlichen zu tun gehabt. Mit jungen Auszubildenden in der Eisen- und Stahlindustrie. Eine Ausbildung zu machen, davon können seine kids im Straßencafe nur träumen. Sie gehören zu denen, die nie eine Chance in ihrem Leben hatten. Mit ihnen in Kontakt zu kommen, ist nicht einfach - trotzdem weiß er, womit er anfangen muss.

O-Ton: „Um das Vertrauen der Jugendlichen zu gewinnen, muss man ganz behutsam vorgehen. Wir haben sogar einige Kinder, die auf der Straße leben, wirklich auf der Straße leben, weil, eh, die Eltern keinen Kontakt mehr zu den Jugendlichen und zu den Kindern haben wollen, oder umgekehrt auch, weil  das Familienleben total gestört ist. Und das macht den Jugendlichen doch schon zu schaffen.“

Autor: Um so wichtiger ist für die Jugendlichen jemand wie Horst Jahny. Jemand der einfach mal zuhört. Weil er sich für sie interessiert, weil sie ihm wichtig sind und weil er sie mag. Und nicht weil das sein Job ist, weil er dafür bezahlt wird. So wie die Sozialarbeiterin, der Suchtberater oder die Lehrerin. Natürlich spricht auch Horst Jahny mit den kids über ihre Probleme. Über Alkohol, Drogen, Gewalt. Und wenn die Aggressionen im Cafe hochkochen, dann geht er auch schon mal dazwischen. Das kann er. Das hat er immer schon gekonnt. Aber wie kriegt er das für sich verpackt?

O-Ton: „Wenn ich da hin gehe, dann macht es schon Spaß. Ich meine, ich muss dabei sagen:Iich mach mir auch Gedanken, und ich bin eigentlich auch froh, dass ich meine Frau da habe, die steht also voll dahinter. Und – dass ich manchmal, wenn also wirklich was Gravierendes kommt oder ansteht, dass ich mich mit ihr dann auch da drüber unterhalten kann. Das ist also sehr, sehr wichtig auch für mich dann.“

Autor: Johann Hinrich Wichern, ein Gründervater der Diakonie, dessen zweihundertster Geburtstag dieser Tage gefeiert wird, sprach von der „rettenden Liebe“, die Kinder und Jugendliche brauchen. Das klingt ein wenig altertümlich. Aber Leute wie Horst Jahny, der ehrenamtlich im Duisburger Cafe für Straßenkinder arbeitet, können damit etwas anfangen. Und die kids offensichtlich auch:

O-Ton: „Ja, und zum größten Teil kommen die dann also des öfteren oder kommen schon… oder sind schon zum festen Inventar geworden, weil die sich also wirklich sehr, sehr wohl fühlen bei uns.“

Audiobeitrag Zweihundert Jahre Wichern - Einsatz für Straßenkinder


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