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Kein Geld für Gewaltberatung
Ich finde es unglaublich. Wöchentlich füllen sich die Schlagzeilen der Zeitungen mit den Namen all jener, die vergewaltigt, gefoltert und gemordet wurden.
Nicht irgendwo weit weg, im Irak oder Afghanistan, sondern bei uns mittendrin. Mitten in Europa. In stink normalen Haushalten. Zwischen Gartenzwergen, Zierteichen und Geranien. Viele der Opfer sind Kinder. Ihre Namen sind uns vertraut. Wir sind schockiert, wir fragen, wie ist so etwas möglich. Wer hat versagt die Nachbarn, das Jugendamt, die Familie? Es geht um Schuld darum den Schuldigen zu finden. Und das ist wichtig.
Noch wichtiger aber ist die Frage, wie lassen sich solche Taten zukünftig verhindern. Was ist mit denen, die bereits gewalttätig sind und aussteigen wollen? Bekommen sie die Hilfe, die sie so dringend brauchen? Doch darüber wird nicht gesprochen.
Statt dessen wird viel diskutiert und philosophiert, zum Beispiel über den freien Willen. Ob die Täter als Monster geboren wurden bzw. was sie zu Monstern hat werden lassen, wie es jüngst das Magazin Der Spiegel formulierte. Diese Frage ist spannend. Zweifelsohne. Doch noch wichtiger ist zu fragen: Was macht ein Mensch, wenn er wie ein Monster handelt, was machen seine Angehörigen: Wo finden diese Menschen Hilfe in einem Land, wo es sogar Vereine zur Rettung von Regenwürmern gibt? Und da fällt die Antwort leider bescheiden aus. Und genau das finde ich unglaublich.
Wo findet Herbert zum Beispiel Hilfe? Er ist einer von denen, die für Schlagzeilen sorgen könnten. Bereits morgen oder übermorgen. Herbert trägt halb langes, schütternes Haar und eine Nickelbrille. Er sagt, daß er am Wochenende seine Frau gewürgt habe. Zum ersten Mal. Er sei noch total unter Schock. Er habe zwei Kinder jetzt habe er Angst. Angst, vor sich selbst. Er fragt sich: Wenn ich meine Frau schon gewürgt habe, wann sind dann die Kinder dran? Herbert will das nicht. Diese Angst. Vor sich selbst. Vor dem, was ihn plötzlich überkommt, was ihn Dinge machen läßt, die er sich nie hätte träumen lassen. Doch: Wer hilft Herbert?
Der Skandal ist, es gibt keine Hilfe für Herbert. Natürlich kann Herbert zum Psychiater gehen. Aber jemand wie Herbert geht nicht zum Psychiater. Schließlich fühlt er sich nicht krank und schon gar nicht verrückt. Natürlich kann Herbert in eine Beratungsstelle gehen für gewalttätige Männer und Frauen. Doch die Beratung kostet Geld und genau das hat Herbert nicht.
Also, wer hilft Herbert? Wenn er Glück hat, zahlt das Jugendamt die Beratung. Weil es um den Erhalt seiner Erziehungsfähigkeit geht - vielleicht. Doch das ist Glückssache. Je nach Sachbearbeiter. Abgesehen davon: Herbert will lieber nicht zum Jugendamt. Schließlich ist das eine Behörde, mit der jemand wie Herbert lieber nichts zu tun haben will. Wäre Herbert Chefarzt oder Lehrer, wäre das alles kein Problem. Die haben Geld, die können zahlen. Und manchmal tun sie das auch.
Herbert ist nicht allein. In erschreckend vielen Familien gibt es Gewalt. Väter und Mütter, die gewalttätig sind. Und die das nicht mehr wollen. Sie heißen Herbert, Uwe und Sabine. Michaela, Anne und Klaus.
Du sollst nicht töten heißt es in der Bibel. Wer hilft Menschen, wie Herbert, Uwe und Sabine? Michaela, Anne und Klaus? Es gibt keine Beratungsstellen, weder beim Staat noch bei den Kirchen, wo sich gewalttätige Menschen unentgeltlich beraten lassen können. Weil sie lernen wollen, anders zu reagieren, wenn es wieder über sie kommt. Bevor es zu spät ist.
Kein Geld für Gewaltberatung
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