Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

07.06.08, Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

Gewaltberatung

O-Ton: "Die Männer kommen häufig –weil sie sagen, ich schlage in Situationen, wo bei mir die Sicherungen durchbrennen, wo “es“ über mich kommt.

D.h. die denken bei ihnen ist irgendwas kaputt und irgendeiner muß es reparieren,“
 
Autorin: erzählt Stephan Waschlewski, Leiter der Wuppertaler Beratungsstelle KommAn. Beraten werden hier Menschen die gewalttätig sind, überwiegend Jungen und Männer. Zunehmend aber auch junge Mädchen und Frauen. Viele von ihnen werden geschickt, von ihren Partnern, den Eltern, der Schule, dem Jugendamt. Sie kommen, weil jemand gesagt hat: „So geht es nicht mehr weiter“ – jemand, der ihnen wichtig ist. Und sie sind erstaunt,

O-Ton: „dass es sich lohnt auf Gewalt zu verzichten, weil ein gewaltfreies Leben häufig Dinge ermöglicht, die sie sich eigentlich wünschen aber nicht erreichen. Wünsche nach Nähe, nach Kontakt, nach Liebe, nach Gehaltenwerden und das sind die Dinge, die sie durch ihre Gewalt  im wahrsten Sinne des Wortes immer wieder zerschlagen.“

Autorin: Weil sie sich in Streitsituationen oft hilflos und überfordert fühlen, nicht mehr weiter wissen. Und dann kommt es mal wieder über sie und sie schlagen zu. Unkontrolliert, brutal und oft ohne Reue.

O-Ton: „Was wir dann deutlich machen ist, daß sie selber die Möglichkeit haben, etwas an ihrem Verhalten zu verändern, weil natürlich keine Sicherungen durchbrennen und es kommt auch nichts über sie.“

Autorin: Warum die Täter sich häufig als Opfer fühlen, als fremd gesteuert, dafür hat der Psychologe und Gewaltberater Stephan Waschlewski eine Erklärung:

O-Ton: „Der Hintergrund ist der, dass sie nicht gelernt haben mit Gefühlen, die jeder Mensch hat, auch Männer , mit Gefühlen von Hilflosigkeit, von Ängsten klar zu kommen.„

Autorin: In der Beratung lernen sie, ihre Gefühle differenzierter wahrzunehmen und auszudrücken. Zu sagen: Ja, jetzt fühle ich mich total hilflos, traurig, enttäuscht, einsam oder was auch immer. Und wenn die Ratsuchenden dann lernen,

O-Ton: „dass man in einer Beziehung durchaus auch sich schwach -in Anführungszeichen schwach- zeigen darf, über seine Ängste reden darf, dann sind sie schon einen ganzen Schritt weiter, weil sie dann an diesen Stellen Gewalt gar nicht mehr als Kompensation benötigen.“

Autorin: Um kontrollieren zu können, ob sie zuschlagen oder nicht, dafür brauchen die gewalttätigen Jungen und Männer oft nur wenige Stunden. Um dauerhaft gewaltfrei zu leben, brauchen sie natürlich eine Reihe von Sitzungen. Finanziert werden diese vom Jugendamt, sofern die Ratsuchenden Jugendliche sind. Das Jugendamt zahlt aber auch für gewalttätige Eltern – denn es ist verpflichtet, dafür zu sorgen, daß Eltern erziehungsfähig bleiben. Wer aber gewalttätig ist und weder Kind noch Vater oder Mutter ist, hat schlechte Karten. Der muß selber zahlen. 

O-Ton: „Und da  ist nachvollziehbar, daß viele Männer da wegfallen, weil sie einfach die finanziellen Mittel nicht haben, das heißt wir machen da ganz klar ein Angebot, was ab Mittelschicht beginnt. Was uns selber eigentlich unglücklich macht, weil wir sehr gerne da auch mit allen Männern arbeiten würden.“

Autorin: Seit zehn Jahren arbeitet der Psychologe Stephan Waschlewski mit gewalttätigen Jungen und Männern. Aufgrund seiner Berufserfahrung weiß er, wie wichtig diese Arbeit ist, die vom Evangelischen Verein für Kinder-Jugend-und Familienhilfe getragen wird.  

O-Ton: „Wir wissen jede erfolgreiche Beratung mit einem gewalttätigen Jungen, mit einem gewalttätigen Mann, mit einem gewalttätigen Mädchen verhindert potentielle Opfer.“

 

 

 

Audiobeitrag Gewaltberatung


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