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Werkzeuge des Lebens
Als ich noch zu Hause gewohnt habe, da habe ich mich abends vor dem Zubettgehen öfter mal mit meinem Vater unterhalten. Da saßen wir noch ein, zwei Stündchen in der Küche.
Das war immer sehr nett, da haben wir uns über uns und über das Leben unterhalten.
Einmal hat er mir dabei gesagt, dass er jedem Menschen raten würde, im Leben etwas egoistischer zu sein, als er selbst es gewesen war. Da war ich überrascht, dass er so ehrlich war und dass er ein so ehrliches Resümee über sein Leben gezogen hat.
Ein paar Jahre später ging es darum, dass ich ausziehe und das gab zu Hause ziemlichen Streit und Ärger. Meiner Mutter war stark dagegen. Ich wollte ausziehen. Und mein Vater saß zwischen den Stühlen und hat immer versucht zu vermitteln.
Abends saßen wir wieder in der Küche und haben darüber geredet. Und er sagte: Mann, warte doch noch ein wenig. Du weißt doch wie viel Streit das hier zu Hause gibt und wie viel Ärger das gibt. Da gucke ich ihn an und sage: Papa, du hast mir mal gesagt, dass du jedem Menschen raten würdest im Leben egoistischer zu sein, als du es selbst warst. Und genau das bin ich jetzt!
Und da guckt er mich an und ich denke, jetzt habe ich ihn und will noch einen draufsetzten. Da sagt er: Nein! Stopp, sage nichts. Ich gebe dir Recht!
In dem Moment ist mir aufgefallen, dass in den ganzen Gesprächen abends in der Küche mein Vater mir mehr mitgegeben hat als nur Ratschläge im Leben. Er hat mir Werkzeuge gegeben. Werkzeuge, um sich argumentativ durchsetzen zu können. Auch gegenüber ihm selbst.
Sprecher: Gernot Hoersch
Werkzeuge des Lebens
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