Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

06.06.08, Jost Klausmeier-Saß

Fremd sein

O-Ton 1: „Ja- in der Kindheit war’s auch sehr, sehr schwierig für mich. Du kannst es auch als Kind nicht richtig erklären, woher du kommst, warum du daher kommst.“

Sprecherin: Kristinas Familie stammt aus Usbekistan. Das liegt in Mittelasien. Als kleines Kind ist Kristina mit ihren Eltern nach Köln gekommen. Ihre Herkunft war für Kristina in den ersten Jahren in Deutschland ein großes Problem: Auch wenn sie gut Deutsch konnte, ließen viele Kristina ihre scheinbare Fremdheit spüren:

O-Ton 2: „Du bist ne Russin, du bist dies, du bist das, geh wieder zurück, du gehörst hier nicht hin“.

Sprecherin: Dabei war’s ihr und ihrer Familie in Usbekistan auch nicht besser gegangen:

O-Ton 3: „Als wir dort gelebt haben, waren wir ‚Faschisten’. Und ‚Nazis’ und alles. Und wenn wir jetzt hier leben, in Deutschland, hier sind wir, hier sind wir ‚die Russen’. Also wir gehören nicht dahin und nicht hierhin. Also irgendwie passt das beides nicht.“

Sprecherin: Offenbar haben viele Menschen in Deutschland keine Ahnung, welche Lebensgeschichten viele Einwanderer hinter sich haben. Lehnen Fremde ab, ohne mal nachgefragt zu haben, warum jemand seine alte Heimat verlassen hat. Oder sogar verlassen musste.

Offenbar müssen viele Menschen in Deutschland erst noch begreifen, dass wohl niemand einfach aus Spaß seine Heimat aufgibt und irgendwo ganz neu anfängt. Für Kristina jedenfalls ist das Leben in Deutschland trotz aller Ablehnung, die sie erfahren musste, ein Glücksfall:

O-Ton 4: „Ich bin sehr dankbar dafür auf jeden Fall. Ich hab das sehr gemerkt – also viele Leute vergessen das – wo sie leben, und was sie für Chancen haben.“

Sprecherin: Christiane Birgden

 

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