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Freut euch über Gottes unbeschreibliche Liebe
Gnade sei mit euch, Barmherzigkeit und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt. Amen.
Der für den heutigen Sonntag vorgeschlagene Predigttext steht im 2. Brief des Apostels an die Korinther. Aus dem 13. Kapitel lese ich die Verse 11 13: Zuletzt, ihr Lieben, freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss. Es grüßen euch alle Heiligen. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.
Liebe Gemeinde! Wer ist Gott für dich? Was verbindest du mit jenen vier Buchstaben: Gott? Wie ist er? Wie wirkt und handelt er; was ist sein grundlegendes Wesen? Und: wo ist er? Wo finden wir Spuren seiner Existenz, seiner Größe und Gottheit? Fragen, die sich kaum beantworten lassen zumindest dann nicht, wenn wir gleichsam über Gott sprechen distanziert und analytisch, so als ginge es darum einen Begriff oder Gegenstand zu beschreiben. Doch es wird uns nicht gelingen, Gott in dieser Form zu erklären. Er ist und bleibt stets höher als das Wort, mit dem wir ihn zu beschreiben suchen! Wir können Gott nicht definieren wie einen Gegenstand ihn, der dich und mich umgibt. Der das Leben ist und gibt. Der alles ist in allem. Von Gott kann und will ich nur reden in seinem Verhältnis zu mir persönlich! Und doch oder gerade darum bleibt es eine, - ja, vielleicht die Urfrage des Menschen schlechthin, der wir uns zu stellen haben: Wer ist Gott für dich?
Die Bibel macht uns an vielen Stellen Mut, von Gott, dessen Größe unseren Verstand und unser Vorstellungsvermögen übersteigt, in schlichten Bildern zu reden, um genau so auszudrücken, worauf wir hoffen, wenn wir Gott sagen. Gott ist wie ein Hirte, lese ich z.B. im 23. Psalm, - einer, der mich finden lässt, was ich wirklich zum Leben brauche, - und der mir einen Schutz schenkt, der auch in der Tiefe des Lebens Bestand hat. Er führt mich hindurch! Und im 36. Psalm wird Gottes Güte gepriesen, weil Menschenkinder unter dem Schatten seiner Flügel Zuflucht haben. Gott einem starken Vogel zu vergleichen, bei dem die Jungen sich geborgen fühlen! Und zu Beginn dieses Gottesdienstes haben wir den 145. Psalms aufgegriffen, der Gott als König anspricht, um sich selbst neu vor Augen zu führen, dass Gott allein der Herr des Lebens ist, der durch seine Menschenfreundlichkeit regiert, und dessen Weisung gilt. Wer ist Gott für dich? Hirte, König, einer, unter dessen Flügeln ich Schutz finde! Zugleich steht das sogenannte Bildergebot der Bibel für die Mahnung, dass wir nicht sagen sollen: So und genau so ist Gott! Es sind wertvolle Versuche, das Unaussprechliche auszudrücken und etwas von dem weiterzugeben, wie die Betenden Gottes Wirken für sich vertrauend erleben.
Wer ist Gott für dich? Menschen, die in biblischer Zeit Jesus Christus begegnet sind, haben für sich glaubend und hoffend erkannt, dass sich der ewige Gott selbst entschieden hat, in diesem Einen, in dem Mann aus Nazareth, zu zeigen und zu demonstrieren, wer er in seinem Wirken und Willen für uns ist. Dort sehen wir: Gott ist der, der sich dem einzelnen zuwendet in seiner Schuld, in seiner Not, in seiner Bedürftigkeit. Und er greift so heilend in unser Leben ein, weil wir uns als von Gott geachtet, gewürdigt und geliebt verstehen dürfen. Durch den Christus erfahren wir Gottes Weisung, dass wir jene heilende und Versöhnung schaffende Liebe Gottes weitergeben und leben sollen. Er ist Gott, der uns in die verantwortliche Freiheit der geliebten Kinder Gottes führt. Gott hat das Gesicht dessen, der dich und mich persönlich anspricht, weil wir es ihm wert sind. Gott ist Gott als der, der uns als vollkommen ansieht und durch seine vergebende Liebe das Leben öffnet. Das Leben mit ihm hat Bestand!
Wer ist Gott für dich? Schon früh spürt die christliche Gemeinde, dass sie jene einzigartige Größe Gottes menschlich nur ahnen und weitergeben kann, indem sie von Gott, Vater, Sohn und Heiligem Geist spricht. Gott ist der Schöpfer, singt sie; er hat die Welt und auch dich und mich gemacht und gewollt! Gott ist der Heilbringende, der auf uns zugegangen ist, dessen Liebe zu uns stark genug ist, dass er gar das Leiden und den Tod auf sich nimmt; er selbst hat ewiges Leben mit ihm hervorgebracht. Gott ist Kraft, Geist, lebendiger Trost, und fähig, uns zu tragen und in die Zukunft zu führen. Wenn wir als Gemeinde von Gott, Vater, Sohn und Geist sprechen, preisen wir ihn dankbar als den Einen Gott, Eins (!), unzertrennbar, dem es herzenswichtig ist, dass wir das glauben dürfen, dass er uns nahe ist, uns kennt, und uns um Christi willen sogar dann versteht, wenn wir uns allein und von Gott verlassen fühlen. Gott, Vater, Sohn und Geist, - das erzählt davon, dass Gott, der die Welt in seinen Händen hält, zugleich weiß, was Tränen sind, dass er unsere Angst kennt. Er leidet mit uns, schreit mit uns, stirbt mit uns. Er ist allmächtig, weil er mitleidensfähig ist!
Die Gemeinde singt damit zugleich von der Kraft der Gegenwart Gottes, - Geist Gottes - , der stark gewesen ist, den in der Verzweiflung zu befähigen, seinen Weg der Liebe bis zum Kreuz zu gehen; - sie spricht tröstend vom Geist, um einander zu erinnern: Dein Gott lässt auch dich nicht los; vertraue ihm; er macht dich in der Hoffnung stark. Als christliche Gemeinde singen wir in Chorälen vom Dreieinigen Gott! Mensch, stimm mit ein in den Gesang! Sing das helle Jubellied, oder das stille, zarte Lied deines Trostes durch ihn, - sing von der Lebendigkeit der Liebe Gottes, die dir und mir gilt! Wer ist Gott für dich? Kein Wort, kein Gedanke wird ihn ganz fassen können! Doch weil er Gott ist, der sich mit uns verbindet, dürfen wir sein Wirken an uns bekennen, indem wir vom Dreieinigen sprechen. Nicht um eine verwirrende Lehre oder Dogmatik zu zitieren, sondern um dankend von der Liebe zu erzählen, von der wir herkommen, und die uns trägt, - die unsere Zukunft ist, die uns verbindet und uns befähigt, das Leben in Verantwortung vor Gott zu gestalten. Wir dürfen einander die segensreiche Nähe dieses wunderbaren Gottes wünschen und zusagen; so wie der Apostel Paulus das tut, der am Ende des 2. Briefs an die Korinther schreibt: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!
Orgelempore: Orgel: Sigfrid Karg-Elert: Aria Semplice
Liebe Gemeinde. Zuletzt, Ihr Lieben, freut euch. Mit diesen Worten beginnt Paulus die Reihe seiner Schlussmahnungen und Grüße am Ende seines Briefes. Freut euch! Einfach so! Ohne große Erläuterungen, warum und worüber die Gemeinde sich freuen soll! Folgt meiner des Apostels Mahnung, und freut euch! Das mag zunächst fast verwirren, denn Paulus selbst setzt sich zuvor in seinem Brief mehrfach mit Anfeindungen, Unterstellungen und Kränkungen seiner eigenen Person durch die Gemeinde auseinander. Man spürt an manchen Stellen seinen Ärger, seine Enttäuschung und Trauer. Er kämpft schier um Anerkennung. Paulus kennt andere Empfindungen als die einer permanenten Heiterkeit und Fröhlichkeit!
Freut euch! Auch die Mahnungen, die jenem Aufruf folgen, haben einen anderen Klang: Lasst euch zurechtbringen, lese ich da! Wohl doch, weil der Apostel davon überzeugt ist, dass die Gemeinde manchen Irrlehren und üblen Reden folgt und vertraut statt seiner Botschaft. Paulus hebt hervor, dass die Gemeindeglieder Mahnung und Zurechtweisung nötig haben. Er fordert Einmütigkeit und Frieden, weil er sich sorgt, dass die Gemeinde in ihrer Gemeinschaft gefährdet ist oder gar zerbricht. Und doch zu Beginn jener Reihe: Freut euch! Wie passt das zusammen? - Nun, weil es die Grundhaltung und Voraussetzung ist, von der her wir die Mahnungen des Apostels hören sollen! Der christliche Glaube und mit ihm die christliche Freude ist eine ernste Sache! Kein Dont worry, be happy der oberflächlichen Dauergrinser. Nein! Freut euch! Wir werden daran erinnert, dass all unser Denken, Reden und Tun und die Art, in der wir einander begegnen sollen, einen Ursprung hat und darum auch ihren Maßstab kennt. Wir kommen her von der unverwechselbaren Freude, die christlichen Glauben ausmacht und die Gemeinde verbindet.
Freut euch! Damit erinnert uns der Apostel daran, dass Gott selbst will, dass die Freude in uns darüber brennt, dass er uns in dem Christus vergibt und als das Gesicht der vollkommenen Liebe, die uns gilt, begegnet ist. Freut euch, und vergesst nicht, dass ihr es erfahren habt, dass die Menschenfreundlichkeit Gottes an Ostern gesiegt hat, - und(!): dass dein Gott deinem Leben, - geborgen in ihm -, Ewigkeit verliehen hat. Freue dich! Denn der Himmel und dein Leben stehen offen, weil du es deinem Gott wert bist! Freut euch, und lasst euch durch eure Osterfreude zurechtbringen. Denn die Dankbarkeit aus Freude über Gott, der es göttlich gut mit uns meint, soll euch in eurem Leben prägen; ihr dürft euch durch sie prägen lassen.
Diese Freude ist auch eine starke Sache! Denn ich gewinne den Mut, mich mahnen zu lassen. Ich brauche mich nicht selbst ständig ins rechte Licht zu rücken. Im Licht der Freude über Gott, - über seine vergebende Liebe zu mir, kann ich anderen und mir selbst eingestehen, dass ich nicht perfekt bin und muss es auch nicht sein. Freut euch darüber, dass der lebt und euch durch das Leben geleitet, der euch versteht mit all euren ganz eigenen und manchmal auch eigenwilligen Seiten. Und wenn ihr diese Freude in euch spürt, wird es euch schwerer fallen, - viel schwerer (!), den nicht zu respektieren, der anders denkt, oder die abzulehnen, die einen euch fremden Frömmigkeitsstil hat. Die Freude, gemeinsam zur Familie der geliebten Kinder Gottes zu gehören, ist dann stärker als das Trennende! Lasst euch von der tiefgehenden Freude bestimmen, dass Gott mit euch Frieden geschlossen hat, dass er auf seine Weise eure Friedlosigkeit überwunden hat, indem er sie erlitten hat.
Haltet Frieden; keinen faulen Frieden, kein Verdrängen, kein billiges Übersehen von Schuld und Verletzungen; das tut auch Paulus nicht! Sondern: Haltet Frieden, indem ihr euch wirklich mit achtender, aufrichtiger Liebe begegnet, die heilt, - - und die erst befähigt, miteinander aufzustehen und laut und deutlich die Friedlosigkeit dieser Welt anzuprangern, in der Gott täglich gekränkt wird immer da, wo ein Kind leidet, hungert und misshandelt wird, wo Menschen einander würdelos behandeln und morden. Die Freude soll eure Quelle verantwortlichen Lebens in dieser Welt sein, aus der heraus ihr dem Frieden Gottes dient. - - Freut euch! Freue dich! Für mich persönlich schwingt dabei schließlich auch die Einladung mit zu der Freude, dass mein Gott sich mir zuwendet in Stunden der Tränen. Da mag mir diese andersartige Freude helfen, durchzustehen und das Leben zu bewältigen. Da magst auch du fühlen, dass sie bleibt, trotz aller Traurigkeit und Trauer, weil Gott dir treu bleibt. - - Freut euch! Unser Gott lädt uns ein, unser Leben zu gestalten wahrhaftig, verantwortlich und echt, indem wir uns speisen lassen von der Freude, von ihm persönlich geliebt zu sein. - Von dem Einen, dessen Größe und Freundlichkeit unseren Verstand übersteigt, und von dem wir darum bekennend reden als von Gott, Vater, Sohn und Heiligem Geist. Amen.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.
Der nächste Evangelische Hörfunkgottesdienst aus Nordrhein-Westfalen, wird am 03.08.2008 von 10 Uhr bis 11 Uhr auf WDR 5, aus der Evangelisch-methodistischen Kirche in Köln übertragen. Die Predigt hält Hartmut Handt.
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