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"Vater unser im Himmel"
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer. In den Morgenandachten dieser Woche werde ich über das Vaterunser sprechen.
Es wird den meisten wenigstens in Ansätzen noch bekannt sein. Außerdem ist es das Gebet, das alle christlichen Konfessionen sprechen.
Einmal baten die Jünger ihren Herrn Jesus Christus Herr, lehre uns beten. und das Vater unser ist seine Antwort darauf. Mag sein, dass kaum jemand von Ihnen noch irgendwelche Überraschungen von einer so altbekannten Sache erwartet. Ich habe eine reichlich alte und abgeschabte Armbanduhr, auf die habe ich bestimmt schon 10.000 mal geschaut. Vor einiger Zeit hab ich sie mal genauer angesehen und 5 Details entdeckt, die mir noch nie aufgefallen waren. Das scheinbar Alltägliche hält also durchaus Überraschendes bereit. Beim Vater unser beginnen die Überraschungen schon ganz am Anfang:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name... Wieso nennen wir Gott eigentlich Vater? Und wieso unser Vater und nicht mein Vater? Was bedeutet das denn, einen Namen heiligen und wieso überhaupt Namen? Heißt Gott denn nicht einfach Gott? Ich bin Pastor einer evangelisch freikirchlichen Gemeinde in Köln und da ist es von früher her üblich, sich mit Bruder oder Schwester anzureden. Das kann zu lustigen Missverständnissen führen. Hallo Bruder Krebs tönt es durch den Supermarkt und aus den fragenden Blicken der Umstehenden erkenne ich, dass sie bei der Anrede wohl eher eine Mönchskutte erwartet hätten, als einen älteren Mann in Jeans und Lederjacke. Oder bei Abkündigungen: Samstag heiraten Schwester Elisabeth Müller und Bruder Hans Meyer... Schwester und Bruder heiraten? Die ersten christlichen Gemeinden haben sich tatsächlich des Verdachtes erwehren müssen, hiermit wäre etwas Unschickliches gemeint. Christen sind natürlich deshalb Geschwister, weil wir alle denselben Vater im Himmel haben.
Und was heißt: geheiligt werde dein Name? Wir wählen die Namen für unsere Kinder ja eher nach Wohlklang aus, oder danach, was gerade so im Trend liegt. Das wechselt. Günter, Herbert und Ernst sind in der Regel 70 Jahre oder älter, Jürgen, Gerd und Ulrike um die 50, Kevin, Dustin oder Jenny 14 bis 20 Jahre alt. In der Bibel haben Namen häufig tiefere Bedeutungen. Jesus heißt: Gott rettet, und das ist ja auch das Programm seines Lebens. Und der Gott der Bibel heißt nicht einfach Gott, sein Name ist Jahwe und das bedeutet: Ich bin, der ich bin. Ich bin der, der ich sein werde. Man kann auch übersetzen: Ich bin der Lebendige, ich bin da. Und, so geheimnisvoll das klingen mag, es sagt viel über das Wesen Gottes aus. Man kann zwar seine Wirklichkeit erleben, man kann ihm begegnen, aber man kann ihn nicht festlegen und nur sehr schwer allgemeingültig beschreiben. Aber er ist da und er ist nicht unserem Willen verfügbar. Seinen Namen heiligen, das bedeutet, seine Besonderheit und Einzigartigkeit anzuerkennen.
Unser Vater im Himmel, das klingt nicht nur persönlich, ja intim. Der Schöpfer aller Wirklichkeiten möchte uns so nahe sein, wie ein Vater seinen Kindern. Und bleibt doch souverän, wie ein leibhaftiger Vater ja auch nicht der Spielball der Wünsche seines Nachwuchses ist.
"Vater unser im Himmel"
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