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"Vater unser ... unser tägliches Brot gib uns heute"
Liebe Hörerinnen und Hörer. Unser tägliches Brot gib uns heute. Das ist die einzige Bitte im Vater unser, die sich mit unseren materiellen Belangen beschäftigt.
Nicht mal vom Aufschnitt ist hier die Rede, auch nicht von leiblicher Grundversorgung für alle Lebenszeit: Das tägliche Brot für heute. Das klingt sehr bescheiden. Für uns jedenfalls.
Mein Vater erzählte mal, dass er während der Hungerjahre nach dem letzten Krieg von einem harten Kanten Brot geträumt hat, ganz für sich allein. Ich hab ihn gefragt: Warum hast du nicht von einer Erdbeertorte geträumt? Die mochte ich damals besonders gerne. Aber das war für ihn so weit weg gewesen, dass er nicht einmal davon zu träumen wagte. Echter Hunger ist in unserem Sendegebiet erfreulicherweise selten, in armen Gegenden dieser Welt ist er der bittere Begleiter für hunderte von Millionen Menschen. Und das hat auch mit uns zu tun, die wir uns für gewöhnlich mehr Sorgen um unsere Figur machen, als um unsere tägliche Nahrung.
Ich weiß noch, wie ich als Kind empört war, dass brasilianische Lokomotiven eine zeitlang mit Weizen geheizt wurden, weil das billiger als Kohle war. Heute landen Millionen Tonnen Ackerfrüchte als Alkoholspritzugabe auch in unseren Autotanks, während Abermillionen Menschen hungern.. Von einem Aufschrei der Massen in USA oder Europa über diese Ungeheuerlichkeit hab ich noch nichts gehört. Der Aufschrei der Hungernden in Mittel- und Südamerika, Afrika oder Südostasien wird uns in Zukunft noch begleiten.
Die Bitte um das tägliche Brot für heute klingt in unseren Breiten ungewohnt bescheiden. Warum nicht gleich den Schöpfer um ein paar Millionen Euro bitten? Ich weiß, die Sorge: Wohin mit den vielen Millionen? die hätte mancher gerne. Vorsicht, auch das können echte Sorgen sein. Ich sprach mal mit einem Mitglied einer Kirchengemeinde, dem nicht nur ein paar Häuser, sondern ganze Straßenzüge gehörten. Der war völlig genervt von Mietnomaden, die seine Wohnungen verwüsteten, Ärger mit Baufirmen, Prozesse mit dem Finanzamt und was sonst so sein Herz beschwerte. Ich habe ihn ehrlich bedauert und war einen Moment lang versucht ihm zu sagen: Verkauf das doch alles und gib´s den Armen. Aber das habe ich mich nicht getraut. Jesus Christus traut sich das schon. Genau das rät er einem reichen Mann, den er gerne als Begleiter gehabt hätte. Und das wäre der Schlüssel zum Leben für diesen Mann gewesen.
Wer Gott nur um das tägliche Brot für uns bittet, der bleibt befreit von den Sorgen um den Besitz, von denen viele geradezu besessen sind. Genau besehen nimmt er sein Leben täglich neu aus Gottes Hand. Und in dessen Händen steht das ja auch. Nichts gegen Lebensversicherungen, Rentensparpläne und Vorsorgeuntersuchungen oder mit was auch sonst Menschen ihre Zukunft absichern möchten. Aber ahnen Sie, wie dünn die Äderchen sind, die unser Hirn durchziehen oder die Bremsleitungen ihres Autos? Wie wenige Sekunden der Fahrer, der da gerade so interessiert an seinem Handy fummelt mal nicht aufpassen muss, um auf Ihrer Fahrspur zu landen? Natürlich arbeitet auch der Beter des Vater unsers für seinen Unterhalt, aber sein Leben hängt ab von Gott. Seinem Vater im Himmel. Das weiß er und darauf verlässt er sich und kann sich auch mehr, als auf alles andere darauf verlassen.
"Vater unser ... unser tägliches Brot gib uns heute"
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