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"Vater unser im Himmelreich" (eg 344)
Choral:Vater unser im Himmelreich, Der du uns alle heißest gleich Brüder sein und dich rufen an Und willst das Beten von uns hab'n, Gib, daß nicht bet' allein der Mund,
Hilf, daß es geh' von Herzensgrund!
Autor: Was macht ein gutes Kirchenlied aus? Eines, das die Tagesaktualität überdauert und Teil der Kirchengeschichte wird. Man kann diese Fragen sicher auch ganz persönlich beantworten und bei meinem Lieblingskirchenlied gelten eigenen Maßstäbe. Denn Musik rührt immer auch mein Gefühl an und manchmal verbinden sich Lieder mit prägenden Erinnerungen, die uns nicht mehr loslassen. Nach meiner Beobachtung zeichnen sich Gesangbuchklassiker durch saubere theologische Aussagen aus. Da ist weniger der Sänger oder Hörer und seine Befindlichkeit im Blick, sondern Gott selbst und was er für uns Menschen getan hat. Und das häufig mit direktem Bezug zu biblischen Texten. 1539 hat Martin Luther das Vaterunser in Liedform gebracht .Das war damals sicher aktuell und modern. Auch die Melodie, zu der ihn ein alter Tischsegen aus Salzburg und ein Gesang der Böhmischen Brüdern inspiriert haben, kann durchaus sehr populär gewesen sein. Luthers Bedeutung als Musiker kann ich nicht angemessen würdigen, seine prägende Bedeutung für unsere deutsche Sprache ist unübersehbar.
Choral: Dein Will' gescheh, Herr Gott, zugleich Auf Erden wie im Himmelreich; Gib uns Geduld in Leidenszeit, Gehorsam sein in Lieb' und Leid; Wehr und steur allem Fleisch und Blut, Das wider deinen Willen tut!
Autor: Das Gebet, das die Welt umspannt hat man das Vater unser genannt. Es umspannt auch die Welt der Christenheit über alle ökumenischen Differenzen und über die Jahrhunderte hinweg. In der Zeit der ersten Christen war seine Kenntnis eine Voraussetzung, um in die Kirche aufgenommen zu werden. Jeder Christ konnte es sprechen. Das sieht heute im angeblich christlichen Abendland völlig anders aus. Wer etwa bei Hochzeiten oder Beerdigungen dieses Gebet mit Menschen spricht, die nicht ausgewiesen kirchlich interessiert sind, hört spätestens ab der zweiten Zeile oft nur noch undeutliches Gemurmel. Bei einem Gottesdienst für Motorradfahrer fand ich trotz mehr als 800 Besuchern kaum Mitbeter. Deshalb hier noch einmal zur Erinnerung und Mitsprechen: das Vaterunser.
Sprecherin: Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. (Matthäus 6, 9b 13, Luther 84)
Autor: 63 Wörter nur. Von endlosem Gebetsgeplapper kann da wirklich nicht die Rede sein, wie unser Herr Jesus Christus es seinen Jüngern ja auch ausdrücklich verbietet. Das Gebet unseres Herrn ist auf das Wesentliche konzentriert und auch deshalb schon selbst bei den Theologen als authentisches Jesuswort anerkannt, die von diesen nicht viele im neuen Testament finden wollen. Unser Choral und sein Gegenstand sind wahrhaft zentral.
Choral: All unsre Schuld vergib uns, Herr, Daß sie uns nicht betrübe mehr, Wie wir auch unsern Schuldigern Ihr' Schuld und Fehl' vergeben gern; Zu dienen mach uns all' bereit In rechter Lieb' und Einigkeit!
Autor: Erstaunlich finde ich, wie wenig sich das Vater unser genau besehen mit den Sorgen befasst, die uns für gewöhnlich umtreiben. Es betrachtet zunächst einmal Gott selbst.Und das ist kein anonymes höheres Wesen, wir beten zu unserem Vater im Himmel. Und wir tun das gemeinsam, selbst wenn wir im Stillen Kämmerlein sind, dem Ort, den Jesus für das Beten empfiehlt. Christen sind keine religiösen Einzelkämpfer, es gibt sie nur eingebunden in die Gemeinschaft einer Gemeinde. Und so stehen sie auch vor Gott, ihrem Vater im Himmel. Zu dem sehen sie auf und erst danach hören wir Bitten, die sich auf uns beziehen: Unser täglich Brot gib uns heute. Eine bescheidenere Bitte habe ich selten gehört. Hier bei uns zumindest. In mehr und mehr Teilen der Welt wird diese schlichte Bitte allerdings sehnsuchtsvoll mit knurrendem Magen ausgesprochen. Fast gleichberechtigt steht neben dieser Bitte die Bitte um Vergebung. Ohne Brot kann niemand leben. Aber Schuld trennt ebenfalls vom Leben. Martin Luthers Choral beschreibt es sehr passend, denn er beschreibt auch den Zustand, der durch die Vergebung erreicht wird: Einigkeit, ja Liebe.
Choral: Von allem Übel uns erlös, Es sind die Zeit und Tage bös; Erlös uns von dem ew'gen Tod Und tröst uns in der letzten Not; Bescher uns auch ein selig End', Nimm unsre Seel' in deine Händ'!
Autor: Was uns davor bewahren kann, unser Leben sinnlos zu vergeuden, das ist in Gottes Händen. Gott ist unser Vater, er erhält unser Leben und zu ihm hin zielt unser Leben. So gipfelt das Vater unser und Martin Luthers Choral in der gemeinsamen Verherrlichung Gottes. Das Gottes Wort in unseren Herzen tiefe Wurzeln schlägt, das ist ein zentrales Anliegen seines Lebens gewesen. Das Gebet, das Jesus Christus selbst uns lehrt, hat hier seinen Platz. Es erhebt unseren Blick auf Gott, unseren Vater im Himmel, es vereint uns im Bitten vor Gott, der unser Leben erhalten muss und es führt uns zu der gemeinsamen Verherrlichung dessen, der uns unendlich liebt und der uns geborgen bleiben lässt in dieser Liebe. Im Leben und über alle Vergänglichkeit hinaus bis in alle Ewigkeit.
Choral: Amen, das ist, es werde wahr! Stärk unsern Glauben immerdar, Auf daß wir ja nicht zweifeln dran, Was wir hiermit gebeten hab'n Auf dein Wort in dem Namen dein; So sprechen wir das Amen fein.
Das war Kirche in WDR 3 mit Pastor Wolfram Krebs aus Köln über den Choral Verleih uns Frieden gnädiglich Es sang der Studiochor des Evangliumsrundfunks aus Wetzlar unter der Leitung von Gerhard Schnitter.
"Vater unser im Himmelreich" (eg 344)
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