Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

05.05.08, Pfarrerin Annette Bassler

Pfingstmonat Mai

Was für ein Monat! Endlich sieht man sich wieder, draußen beim Rasen mähen und bei den Grillfesten. Laue Nächte im Freien mit Maibowle und Maiglöckchenduft.

Im Mai erwacht die Lebenslust. Jesus, so hoffen wir Christen, Jesus wird einmal wiederkommen am Ende der Zeit. Ich wünschte mir, Jesus würde im Mai wiederkommen. Die letzten Tage mit ihm im Mai.

Ich wünschte mir, Jesus würde sich auf eine Bank im Park setzen, diesen betörenden Fliederduft einatmen und den Fliegen beim sich paaren hinter herschauen. Wie war das noch mal gemeint? Ich meine das mit der Lebenslust, mit dem Sex und der Erotik einerseits und dem Glauben andererseits? Diese ewigen Kontrahenten. Ist das wirklich so? Dass das nie zusammengeht: Lebenslust und Sexualität einerseits und die Liebe zu Gott andererseits? Haben wir Christen das wirklich richtig verstanden, dass man da ein Bollwerk errichten muss gegen die Lüste und Laster, weil sonst die Menschen weggeschwemmt werden von ihren Trieben und den letzten Rest Verstand verlieren?

Ich wünschte, Jesus würde im Mai wiederkommen. Und das mal klarstellen. Hat Gott nicht auch diesen wunderbaren Monat gemacht mit seinen lauen Vollmondnächten? In denen Verliebte draußen sitzen und dem Grillenzirpen lauschen. Und die Alten bei Kerze und Rotwein einander die Hand halten und von früher erzählen.

Ich wünschte, Jesus würde sich mit denen, die ihn lieb gehabt haben, zusammensetzen. Auf seiner Parkbank. Und denen, die auf ein irdisches Glück verzichtet haben, auf eine innige Beziehung zu einem Partner oder Partnerin, auf Kinder, auf Familie. Denen würde er erzählen, wie er das gemeint hat mit der Nachfolge. Denn wir wissen ja nicht einmal wirklich, wie Jesus gelebt hat. Wir kennen ja nur ein bisschen seine letzten drei Jahre. War er verheiratet? Hatte er eine Geliebte, etwa Maria Magdalena? Hatte er vielleicht mehrere Geliebte? Immerhin war er ja viel unterwegs im In- und Ausland damals.
Das wäre schön, wenn Jesus das endlich mal aufklären würde.

Ich wünschte mir, Jesus würde im Mai wiederkommen, sich vor ein Spargelfeld stellen und predigen. „Seht an den Spargel, wie er wächst,“ würde er wohl sagen. Und dann ein Gleichnis erzählen über die männliche Lust. Wofür sie gut ist und wofür sie nicht gut ist. Ich wünschte mir, Jesus würde im Mai wiederkommen, sich auf eine Parkbank setzen und warten, bis ein Liebespärchen vorbeikommt. Am besten ein verheiratetes Liebespärchen. Verheiratet, aber nicht miteinander. Gibt es ja öfters hierzulande. Besonders im Mai.

Vielleicht könnte Jesus dann den vielen, die offensichtlich Ehebruch begehen, erklären, wie er sich eine Ehe vorgestellt hat. Eine, die mehr als zehn Jahre halten soll. Darüber erfahren wir ja auch nichts aus der Bibel. Sein Verbot, die Ehe zu brechen, richtete sich ja hauptsächlich an den Mann des Orients. Der sollte seine Frau nicht wie einen Besitz behandeln, sondern sie schützen. Treue aus Liebe- wie geht das zusammen mit der Lebenslust? Ich bin sicher, Jesus könnte uns das erklären. Jesus würde Lust und Liebe zusammenbringen. Denn Glaube, starker Glaube ist immer auch lustvoller Glaube. Mit starken Gefühlen. Und die hat man doch im Körper, nicht im Kopf.  Und wie wir da Körper und Kopf und Herz zusammenkriegen, das könnte uns Jesus bestimmt erklären. Wenn er wiederkommt. Im Mai.

 

Audiobeitrag Pfingstmonat Mai


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