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Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf
Das ist jetzt einfach nicht wahr, denke ich. Ich stehe in der Sakristei der Friedhofskapelle und greife in meine Aktentasche.
Draußen hunderte von Trauernden, das ganze Dorf ist auf den Beinen. Denn die junge Frau, die ich beerdigen soll, die hat jeder gekannt. Ihre vier Kinder sind hier geboren, besuchen Kindergarten und die Grundschule. Ihr Mann arbeitet auf dem Gemeindeamt. Alle sind erschüttert, betroffen. Der Tod ist ihnen auf einmal nah gerückt. Zu nah. Auch mir. Ich habe mir alles genau aufgeschrieben, was ich sagen wollte. Weil ich wusste, dass ich aufgeregt sein würde. Und jetzt ist meine Aktentasche leer. Meine Predigt liegt zu Hause. Ich habe sie vergessen einzupacken. In 10 Minuten muss ich vor die Gemeinde treten und ich muss das mit leeren Händen tun. Das ist jetzt einfach nicht wahr, denke ich. Wenn ihr einmal reden müsst, von euch ein Zeugnis verlangt wird, hat Jesus einmal gesagt, dann habt keine Angst. Denn der heilige Geist wird euch die Worte eingeben. Sodass ihr wisst, was zu sagen ist. Jesus muss gewusst haben, wie schnell das geht. Dass man mit seinem Latein am Ende ist. Wie schnell man in eine Situation geraten kann, die menschlich gesprochen gar nicht zu bewältigen ist.
Wie soll man auch Kinder trösten, die ihre Mutter verloren haben? Wie soll man Nachbarn, Freunde, ein ganzes Dorf trösten, das an den Abgrund eines plötzlichen Todes getreten ist und weiß: es hätte mich genauso treffen können, oder dich. Menschlich gesehen wäre es doch angemessen, hier zu verstummen. Aber der Heilige Geist wird euch eingeben, was ihr sagen sollt, hat Jesus gesagt. Denn der heilige Geist ist ein großer Tröster. Verstanden haben die ersten Christen das erst nach Jesu Tod. Richtig verstanden haben sie das erst an Pfingsten. Da kam nämlich dieser Geist über sie mit einer solchen Macht, dass sie es begriffen. Dieser Geist, diese Kraft ist stärker als der Tod. Und sie macht, dass der Tod wohl Angst macht, aber einen nicht überwältigt. Weil Jesus gestorben und auferstanden ist, gibt es kein Halten mehr nach dem Tod. Die Grenzen sind gesprengt. Wo wir am Ende unseres Lateins sind, fängt der Heilige Geist erst an zu wirken. Ja, manchmal spürt man dort an der Grenze, wo man mit seinem Latein am Ende ist, diesen Geist ganz besonders deutlich. Diese Kraft, diesen Trost. Dass man getragen und gehalten ist. Und dass einem Worte in den Sinn kommen mitten in der allzu menschlichen Sprachlosigkeit.
Wenn wir in die Bibel schauen, finden wir nichts als solche Geschichten. Jüngerinnen und Jünger, die aus der Kraft dieses Geistes Lahme, Blinde und Besessene heilen. Die vor dem Kaiser die Treue verweigern und sich vor Gerichtstribunalen gegen schlimme Vorwürfe verteidigen. Einfach so, aus der Kraft des Heiligen Geistes. Und aus der Verzweiflung, menschlich gesehen es eigentlich nicht zu können. Dieser Geist, wusste der Apostel Paulus, ist in den Schwachen mächtig! In denen, die alles getan haben, was man tun kann und am Ende ihres Lateins sind. Die bekommen sie zu spüren, die Gotteskraft. Wünschen würde ich das niemandem, in so eine Situation zu geraten. Aber es ist gut, sich daran zu erinnern, wenn man denn drin steckt. Und das habe ich dann versucht, damals, in der Friedhofskapelle. Da knöpfte ich dann meinen Talar zu und betete: Wenn du es willst Gott, dass ich die Kinder dort am Sarg ihrer Mutter tröste, dann schenke mir deinen Geist. Ich kann es nicht allein. Amen.
Ich weiß nicht mehr, was ich damals gesagt habe. Aber ich habe später eine Freundin gefragt, die auch dabei war. Ob die Beerdigung wohl tröstlich gewesen sei. Da lächelte sie mich an, wischte sich eine Träne aus dem Gesicht und fragte, warum ich das wissen wollte. Weil ich meine Predigt vergessen habe. Sagte ich ihr. Ne, sagte sie, das ist jetzt aber nicht wahr!
Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf
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