Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

05.05.08, Pfarrer Jönk Schnitzius

Sichtbar sein

Für den Weg nach Oben gilt: Verstecken gilt nicht. Und stehen bleiben ist ganz schlecht. Beweglichkeit ist angesagt. Und die Bereitschaft, sich zu verändern.

Die entsprechende Leistung mal vorausgesetzt. Wie gesagt: alles für den Weg nach Oben, für den Erfolg , die Karriere. Nicht, daß ich das jetzt schlecht finde, - nur Eines scheint dann doch ziemlich Druck zu machen: auf dem Weg nach Oben:

Man muß sich entscheiden. Und das ziemlich früh. Glauben viele. Denn, so die Überzeugung, Erfolg sei nicht allein das Ergebnis der eigenen Leistungen, sondern planbar.Also Folge richtiger - und damit im Nachhinein „kluger“ Planung.Die Autoren entsprechender Berufs- und Karriereberatungsliteratur freuen sich über die hohe Nachfrage. Dennoch:

So verständlich der Wunsch nach Planungssicherheit ist, letztlich bleibt sie Illusion, denn:„Ungeplante und nicht vorhersehbare Ereignisse spielen für Karriereverläufe eine entscheidende Rolle. Ihr Einfluß wird enorm unterschätzt.“ Sagt John Krumholtz, Psychologieprofessor an der amerikanischen Stanford – Universität und Autor des Buches : Glück ist kein Unfall.

Das überrascht jetzt nicht wirklich, weil dies doch wohl ziemlich genau der eigenen Alltagserfahrung entspricht.Jeder hat schon mal erlebt von den sogenannten „Umständen“ bevorzugt oder benachteiligt worden zu sein. Als da seien: Herkunft, das Einkommen der Eltern, Geburtsjahr, der Ort an dem man aufwächst, das Klima, und so weiter. Die Ausbildung und aktuelle Marktsituation passen dann gerade ganz genau oder eben überhaupt nicht.

Manche reagieren auf diese unübersichtliche Vielzahl an Unwägbarkeiten nach dem Motto: mehr desselben. Wenn sich schon nur wenig planen läßt, dann wenigstens das wenige ganz genau planen. Andere wiederum geben gleich alle Planung auf und lassen sich treiben.

Dabei ist zwischen Schicksalsergebenheit und Detailplanung noch jede Menge Platz. Für den Weg nach Oben. Für Christen bedeutet dies „ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen“, wie Jesus sagt. Also, sich selbstbewusst zu zeigen, sichtbar zu sein in der Welt, mit allen Begabungen, Leistungen und Gottvertrauen.

Risikobereitschaft heißt das auf Neudeutsch. Nur: Es ist ein Unterschied, ob die Last aller Unwägbarkeiten allein auf mir liegt oder ich bereit bin, mich als der zu zeigen, der ich bin und darauf hoffe, dass Gott trägt, was ich nicht tragen kann. Auf jedem Weg. Auch auf dem nach Oben.

 

Audiobeitrag Sichtbar sein


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen