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Ur-Geschichten
Liebe Hörerin, lieber Hörer, wie erkläre ich Kindern die Welt? Das ist die große Frage für alle Eltern. Aber nicht nur für sie. Jeder Mensch möchte die Welt erklärt haben.
Das Kind in jedem Erwachsenen verlangt lebenslang nach verständlichen Antworten. Wer da nichts zu erzählen weiß, sagt damit doch etwas: Er sagt damit, dass er selber ratlos ist, dass ihm alles unerklärlich ist und er nichts versteht. Das ist schlimm. Das ist eine Wurzel tiefer Angst und Ungeborgenheit. Wollen wir aber Kinder bewahren und wollen wir das Leben schützen, dann suchen wir nach Mitteln gegen die Angst. Wir achten auf das, was Mut macht und Vertrauen baut. Darum erzählen alle Eltern auf der Welt ihren Kindern immer wieder. Sie erklären Dinge und Menschen, nennen sie mit Namen. Haben sie einen Namen, so sind sie weniger unheimlich. Eltern machen Kinder mit dem Leben vertraut, lehren sie, alles Leben zu achten und zu schützen. Das eigene Leben zuerst, aber dann auch das der anderen in der Familie, in der Umgebung. Und immer mehr weitet sich der Lebenskreis.
Zum großen Schatz der Geschichten, die helfen, die Welt zu verstehen, gehören die Urgeschichten aus dem Alten Testament. Sie stehen auf den ersten Seiten der Bibel.
In den bewegten Bildern sagenhafter Erzählung erzählen sie davon, wie bedroht vom Chaos alles Leben war und ist und dass eine gute Macht, der Schöpfer selbst, Ordnung geschaffen hat. Das bedeutet: Lebensmöglichkeiten. Er lässt uns in dieser Welt leben und gibt uns dazu Raum und Zeit. Diese Geschichten erzählen von der Liebe der Menschen, in der einer sich im anderen erkennt; vom Entstehen der Familie, aber auch vom Neid und der Missgunst unter Menschen bis zum Brudermord.
Es wird in diesen Geschichten also nicht alles in rosigen Farben gemalt. Das würde die Kinder und auch die Erwachsenen nur täuschen. Denn rosig ist die Welt und ist das Leben nicht immer. Von schier apokalyptischen Bedrohungen erzählen die Geschichten darum auch. Ich will die Menschen vertilgen von der Erde, lassen sie Gott sagen. Er hat er die Lust an ihnen verloren, denn alles Dichten und Trachten ihres Herzens (ist) nur böse... Dennoch erhält er sie. Und mit ihnen die ganze geschaffene Natur. Der Regenbogen schreibt es mit bunten Farben an Himmel.
Also: wie erkläre ich meinen Kindern die Welt? Indem ich die Freude über das geschenkte Leben lebe. Eine Freude, die zum Beispiel aus dieser Geschichte von der Großen Flut und ihrem Ende spricht. Noah, seine Frau, seine Söhne und Schwiegertöchter, die ganze Menschheit wie in einer Nussschale gerettet. Sie dürfen leben!
Wir dürfen leben auf dieser Erde! Wir sind nicht untergegangen, sind nicht tot, sind nicht ein Raub des Wassers, der finsteren Tiefen. Wir haben festen Boden unter den Füßen. Und um uns ist Leben, mit dem wir zusammen leben: Tiere und Pflanzen. Die Katze und die Blumen, der Rasen zum Toben und das Lied der Vögel in unseren Ohren.
Wir dürfen leben und uns am Leben freuen. Wer das seinen Kindern vorlebt, es mit ihnen dann und wann genießt, vielleicht sogar in einer Gruppe besingt, im Gottesdienst feiert, der erklärt seinen Kindern schon ein gutes, gesegnetes Stück der Welt. Der hilft ihnen zu leben. Und die Welt wird weniger unheimlich.
Ur-Geschichten
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