Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.04.08, Pfarrer Eko Alberts

Danke für das Leben

Liebe Hörerin, lieber Hörer, wie erkläre ich Kindern die Welt? Das ist die große Frage für alle Eltern. Aber nicht nur für sie. Jeder Mensch möchte die Welt erklärt haben.

Dafür braucht es Geschichten, die tiefgründig genug sind, um in ihnen immer wieder Neues zu entdecken. Bildhafte Schilderungen geben dem Geist und der Seele ihre Sprache. Wenn die Geschichten gut sind, können sie wirken wie Ferngläser, durch die man auch die eigene Wirklichkeit besser sieht und versteht.

Für mich sind die Geschichten am Anfang der Bilder von solcher Qualität. Dabei scheinen sie so völlig unmodern zu sein, fern von aller exakten Wissenschaft, einem vorsintflutlichen Weltbild verpflichtet. Sagen mögen es sein, Mythen, was auch immer. Und dennoch sind es für mich Ur-Geschichten. Sie erzählen vom Urgrund des Lebens, von Urängsten und Urvertrauen. Grundmodelle und Urform all dessen, was uns bewegt, was wir tun und was wir leiden, was wir hoffen und befürchten. Tief im Innern der Seele legen sie einen Glauben, ein Vertrauen an, das unverloren bleiben soll. Sie lassen ahnen, wie bedroht und begnadet zugleich das Leben ist. Sie zeichnen uns auch die Ur-Bewegungen, die Grundbewegungen unseres menschlichen Verhaltens vor.

Zum Beispiel so:Als die Welt in der Urflut vergangen und mit Noah in der Arche doch wunderbar gerettet ist, wird auch vom Dank der Menschen erzählt. Wir können die Geschichte hören und unsere Augen werden geöffnet, damit wir erkennen, wem wir unser Leben verdanken. Der gerettete Noah baut einen Altar und opfert Gott seine guten Gaben. Er sagt damit: Alles was wir haben, ist uns von dir, Gott, anvertraut. Diese Erde ist uns geliehen. Und das Leben, das uns umgibt auch. Unser eigenes Leben nicht anders. Es gehört nicht uns selbst. Es gehört dir. Für uns ist es unverfügbar. Wir besitzen es nicht. Aber dass wir es haben dürfen, genießen und umsorgen, uns daran freuen und darum mühen, das danken wir dir. Und so feiert er die Rettung durchs Wasser hindurch.

Übrigens: die Kirche hat in dieser Rettung des Noah und seiner Familie manchmal ein Urbild der Taufe entdeckt und in Taufgebeten an diese Geschichte erinnert. Sie spricht dann auch von grundloser Barmherzigkeit Gottes, die uns und unsere Kinder vom Tod errettet! Als ob wir mit Noah in der Arche gesessen hätten - und als ob wir Tag um Tag, Woche um Woche, Monat um Monat, vielleicht gar neun!, um das Leben gebangt hätten!

Doch ist es denn anders? Wenn das Leben - wie wir an jedem Neugeborenen, an jedem heranwachsenden Kind erkennen können - ein so großes Wunder ist, dann heißt das doch, dass alles Leben auch so nah am Nicht-leben ist. Sonst wäre es doch kein Wunder. Und dass dieses Leben nicht einfach irgendwann wieder dem Nicht-sein zufällt und nur tot ist, sondern dass es aufgehoben wird in Gottes Reich - das ist ein noch größeres Wunder!

Darum wird in der Taufe Wasser verwendet. Es geht über den Kopf. Damit ist der Getaufte um Gottes Willen durch das Wasser, das todbringende Wasser hindurch und gerettet. So wird Kindern in der Kirche die Welt erklärt. Und wer getauft ist, kann sagen: ich habe die Urgeschichte der Errettung erlebt. Dafür bin ich dankbar.

 

Audiobeitrag Danke für das Leben


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