Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

24.04.08, Pfarrer Eko Alberts

Die Erde - nicht verflucht

Liebe Hörerin, lieber Hörer, wie erkläre ich Kindern die Welt? Das ist die große Frage für alle Eltern. Aber nicht nur für sie. Jeder Mensch möchte die Welt erklärt haben.

Die Bibel erzählt solche Geschichten, die zum Verstehen helfen und die anspornen, sich für die Welt einzusetzen. Als Noah und mit ihm die Menschheit und die Schöpfung aus Chaos und Untergang gerettet ist, macht er die Arche zu Kleinholz und bringt Gott ein Opfer. Er weiß, dass er sein Leben nicht sich selbst verdankt. Noah opfert Gott Dank. Und dann erzählt die Geschichte von Gott in ganz menschlicher Weise weiter: Gott kann das Opfer gut riechen. Das schmeckt und gefällt ihm.

Weiter spricht sie eine Ahnung aus, ein tieferes Ahnen und herzliches Wissen: Der Gott, dem das Unrecht der Menschen so bis zum Himmel stank, dass er mit Allem Schluss machen wollte, spricht nun in seinem Herzen, so erzählt die Ur-Geschichte: Ich will die Erde nicht wegen der Menschen verfluchen. Ich gebe meine Schöpfung wegen der Menschen nicht auf!

Warum nicht? Sind die Menschen doch nicht so schlecht? Sind sie besser geworden? Geben sie besser Acht auf die Kleinen und Unmündigen? Sind sie gerechter geworden und bessere Schützer ihrer Umwelt und Mitschöpfung? Sind sie auch Gott liebender geworden und mitmenschlicher?

Hätten wir gerne und würden wir gerne von uns behaupten! Die finsteren Urzeiten und auch das dunkle Mittelalter haben wir schließlich längst hinter uns... Einbildung ist das. Hochmut. Es gab wohl kein mörderischeres Jahrhundert als das vergangene. Und wird das jetzige besser? Kriegsmorden, Hungermorden, Gewaltmorden – das alles hat noch immer kein Ende und ist aus der Politik und auch den Herzen der Menschen nicht verbannt.

Die Schöpfung wird geplündert, die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder auf diesem Planeten in Zahlung genommen und angetastet; wir sorgen mit unserer stetigen Zerstörung des Klimas für ein Wetterchaos nach dem anderen und für einen stetigen Anstieg der neuen Wasserflut – und sind noch immer kaum bereit zur Umkehr...

Wie blind tappen wir global in die selbst gestellte Falle und betteln geradezu um die neue Sintflut. Doch Gott sagt bei sich: Ich will die Erde nicht wieder verfluchen – weil ich das alles weiß! Nicht weil die Menschen endlich besser sind und besser handeln. Sondern weil das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens von Jugend auf böse ist, zum Unheil geneigt, zum Leben auf Kosten anderer, bereit, die Erde zu plündern. Gerade weil es so ist – darum will und werde ich die Erde nicht mehr verfluchen!

Gott setzt nicht auf vernichtende Urteile. Er kennt uns zu gut, mehr und durchdringender als wir uns selbst je sehen und sehen wollen – und stellt sich schützend vor sein Werk. Er will auch den Menschen vor sich selbst und den Folgen seines Tuns schützen. Ich will hinfort die Erde nicht mehr verfluchen!

Ob wir diese Gnade, diese grundlose Barmherzigkeit verstehen? Und darüber staunen? Das Leben dann wieder staunend empfangen und freudig leben – und unseren Kindern mehr erzählen und vermitteln als die globale Angst und Unsicherheit in apokalyptischen Zeiten? Ob wir ihnen die Welt auch so erklären, dass sie wissen und vertrauen: Trotz allen Wahnsinns ist es nicht sinnlos zu leben, weil Gott dennoch Ja sagt zu seiner Erde, zu uns!

 

Audiobeitrag Die Erde - nicht verflucht


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