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Mit den Zeiten leben
Liebe Hörerin, lieber Hörer, wie erkläre ich Kindern die Welt? Das ist die große Frage für alle Eltern. Aber nicht nur für sie. Jeder Mensch möchte die Welt erklärt haben.
Wer dazu Geschichten erzählen will, wird am Anfang der Bibel in den Ur-Geschichten fündig. Dort wird er staunen lernen, staunen über Größe und Weite der Welt und kann das Zerbrechliche und Kleine nicht übersehen. Die Gefahren werden benannt und von Errettungen ist zu erzählen. Unvermittelt finden wir uns selbst in den Geschichten wieder. Da kommen wir uns manchmal vor wie eingeschlossen in einer Arche, die als Spielball auf den Wellen tanzt. Und dann wieder sind wir gerettet, dürfen auf der Erde leben und wird die Arche zum Brennholz für ein Freudenfest. Seitdem leben wir von Gottes Versprechen: Solange die Erde steht, soll dort Leben sein.
Sie ist uns gegeben, die Erde, auf ihr zu leben. Gott hat uns diesen Planeten geliehen. Nicht als kahle Kugel im Weltraum. Sondern um hier zu wohnen, zu leben und zu lieben und sie als Lebensraum zu bewahren, solange die Erde steht. So leben wir auf dieser alten Erde und dürfen es getrost tun. Denn wir haben für diese Zeit Gottes Zusagen, wie sie in den Urgeschichten der Bibel ganz am Anfang stehen: Solange die Erde steht, soll nicht aufhören: Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.
Wie erkläre ich meinen Kindern die Welt? Auch indem ich diese wechselnden Zeiten mit ihnen beachte: Saat und Ernte - nicht alles ist gleichzeitig da. Wenn wir säen, ernten wir nicht zugleich. Natürlich können wir uns zu Weihnachten frische Erdebeeren von der Südkugel der Erde holen, natürlich können wir ab August schon Weihnachtsgebäck kaufen, natürlich können wir den dunklen November schon mit Adventslichtern aufhellen aber ob das alles gut ist? Natürlich können wir alles zu jeder Zeit besorgen und zwar sofort und alles Warten nach der Zeit der Saat überspringen, jedes Ziel sofort kaufen aber ob uns das gut bekommt?
Die Nacht können wir immer mehr eindämmen und alles taghell machen, jegliche Erfahrung der Kälte und der großen Hitze weg-klimatisieren, aber ob wir damit gesünder leben an Leib und Seele?
Gottes Zusage gilt: Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Wir erklären es unseren Kindern, wenn wir selber auch in diesem Wechsel leben. Denn er ist ja bewusst und sinnvoll. So ist unser Leben nicht gleichförmig, nicht alles ist egal und eingeebnet. Das Leben auf Erden kennt einen Rhythmus und den zu achten, vertieft unseren Anteil am Leben. Es gibt dunkle und helle Zeiten, Höhepunkte und große Feste und Tage schwerer Arbeit und Zeiten tiefer Traurigkeit. Das Kirchenjahr mit seinen Festkreisen bildet den Rhythmus für ein ganzes Jahr aus.
Saat und Ernte soll nicht aufhören - dieses Versprechen sagt uns zugleich: Gott selbst, der schaffende und erlösende Gott, steht dafür ein, dass alles Säen nicht vergeblich ist und alles Pflanzen nicht umsonst. Die Ernte folgt. Und alles Hoffen auf den Morgen wird nicht betrogen. Darum können wir in der Nacht ruhen. Können wir auch in den dunklen Zeiten getrost sein. Solange die Erde steht, dürfen wir uns vor ihm am Leben freuen, finden wir Wege offen.
Mit den Zeiten leben
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