Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

26.04.08, Pfarrer Eko Alberts

Solange die Erde steht - und dann?

Liebe Hörerin, lieber Hörer, wie erkläre ich Kindern die Welt? Das ist die große Frage für alle Eltern. Aber nicht nur für sie. Jeder Mensch möchte die Welt erklärt haben.

Denn ohne weiteres ist die Welt ja nicht zu verstehen und was in der Welt passiert, leuchtet nicht sofort ein. Zwar gibt es genug, die sich als Erklärer und Aufklärer anbieten: Jeden Tag die Flut der Bilder mit den schmalen Kommentaren; jeden Tag die Stimmen aus den Lautsprechern, aber das Laute überlagert sich; jeden Tag die Schlagzeilen, die uns mit dicken Balken schlagen... Aber erklärt uns das alles die Welt so, dass wir uns besser zurechtfinden, Vertrauen schöpfen, eine Perspektive sehen? Oft, zu oft ist in all diesen Erklärungen und Geschichten ein ganzer Berg an menschlicher Klugheit, aber der Abgrund an Unheil und Angst und Bedrohung ist tiefer. Und oft, zu oft ist da nicht einmal ein Quäntchen göttlicher Gelassenheit und Einfalt, die Vertrauen stiftet und Mut macht und hoffen lässt.

In den Ur-Geschichten am Anfang der Bibel stehen uns Erzählungen zur Verfügung, die uns die Welt helfend erklären wollen. Da ist die Welt zum Beispiel durch einen apokalyptischen Untergang hindurch – und Gott sagt: Ich will diese Erde nie mehr verfluchen. Wie wahnsinnig der Mensch sich auch gebärdet – ich tu´s nicht! Und solange die Erde steht, soll da sein, was zum Leben nötig ist: Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Das zu hören macht Mut nach vorne zu sehen und zu arbeiten, das weckt Vertrauen und lässt uns das Leben als Geschenk annehmen, das macht das Leben zu einem Fest.

Solange die Erde steht, wird das nicht aufhören. Solange die Erde steht – die Formulierung lässt uns jetzt aber aufhorchen: Solange – also nicht ewig? Nein, nicht ewig. Wir haben wirklich keine zweite Erde in Reserve. Auch dies zu sagen gehört dazu, den Kindern und uns die Welt zu erklären: diese Erde steht nicht ewig. Diese Erde ist endlich. Einmal wird sie ihre Zeit gehabt haben. Wann, das wissen wir nicht. Aber sie gehört zu einer Welt, die vergeht. Doch das muss uns nicht zu Tode erschrecken. Denn damit ist die Geschichte nicht zu Ende. Im Gegenteil! Sie hat von Anfang an das Vertrauen geweckt: wenn wir mit dieser Erde am Ende sind – was ja immerhin denkbar ist- , dann muss unser Gott mit uns noch nicht am Ende sein. Hat er nicht Noah und die Seinen in der Arche gerettet, der Menschheit und der Schöpfung eine Zukunft geschenkt? Doch nicht um sie im Nachhinein wieder zu kassieren!

Er hat sein Wort darauf gegeben, dass das auch am Ende der Zeiten nicht geschieht. Sein Sohn ist sein gegebenes Wort,  Wer vom Anfang der Bibel einen Bogen zu ihrem Ende schlägt, findet die Ur-Geschichten dort aufgenommen. Sie werden im Licht des auferstandenen Jesus Christus fortgeschrieben. Das Zielbild der Erfüllung aller Geschichten, die die Welt erklären, leuchtet in den letzten Kapiteln der Bibel auf. Das Alte wird einmal Platz machen müssen für Gottes neue Erde, die gerettete, neue Erde aus seiner Hand und für den neuen Himmel. Da wird es gerecht zugehen. Der Frieden ist dort zu Hause. Leid wird nicht mehr sein. Auch nicht der Tod. Das Chaos nicht nur im Zaum gehalten, sondern völlig besiegt und das Leben ein ungetrübtes Fest. Und keiner muss noch was erklären.

Audiobeitrag Solange die Erde steht - und dann?


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