|
Steuererklärung
April Monat der Abrechnung. Nein kein Western. Viel weniger spannend. Und oft auch total nervig: die Steuererklärung. Formulare statt Gartenarbeit im Frühling.
Grübeln statt Graben. Vielleicht heißt die Software des Finanzministers deshalb: Elster. Als Trost, sozusagen. Oder soll man bei der Steuererklärung etwa an diebische Vögel denken?
Egal - Steuern und Steuererklärungen sind, finde ich, nicht nur eine mathematische Herausforderung. Auch eine moralische. Klar, Sie denken jetzt an Ex - Postchef Zumwinkel mit seinem Konto in Liechtenstein. Oder an die Herren Schumacher und Beckenbauer mit ihren steuergünstigen Wohnsitzen in Österreich und der Schweiz.
Aber: mal Hand aufs Herz kennen wir solche Versuchungen nicht auch von uns Durchschnittsverdienern? War das Buch mit den Steuertricks nicht ein Bestseller? Die Steuererklärung nicht immer schon die Möglichkeit zur Rache des kleinen Mannes? Unser Steuersystem eine Einladung zu geschönten Bilanzen und frisierten Zahlen?
So sitzt man da über der Steuererklärung, addiert, subtrahiert - und zwischen Kopf und Kugelschreiber toben die Anfechtungen, sich mehr zurückzuholen als einem eigentlich zusteht. Schon tauchen die bekannten Ausreden auf: Andere tuns doch auch! Niemand ist immer nur ehrlich! Was der Postchef darf, darf ich erst recht, mit meinen paar Kröten! Ich hol mir nur zurück, was mir gehört! Und wenn man sich das mehrfach sagt, klingts auch schon beinahe glaubwürdig. Meint man.
Beim Thema Steuern kann man moralische Versuchungen und Abgründe genau studieren. Bei sich selber. Und führe uns nicht in Versuchung die Bitte aus dem Vaterunser klingt bei Steuererklärungen nicht nur in diesem Jahr aktueller denn je. Steuern zahlen hat wohl noch nie jemanden glücklich gemacht.
Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist sagte Jesus. Und Gott, was Gott gehört. Gib dem Staat, was er braucht, würde das heute wohl heißen. Gib dem Staat, was dem Staat nach Recht und Gesetz zusteht. Auch wenns Dir persönlich nicht passt und gefällt. Der Verantwortung gegenüber dem Staat soll sich niemand entziehen.
Aber die Versuchungen bleiben. Wie also mit ihnen umgehen? Ich denke:Vielleicht ist uns ja zu selten klar, wo und wie oft wir alle von den eigenen Steuergeldern profitieren. Vielleicht fallen uns die Selbstverständlichkeiten eines funktionierenden Staates zu selten auf: unser Lebensstandard, unsere Sicherheiten, unsere Absicherungen wie viel ist da steuerfinanziert!
Die Boulevardpresse lügt, wenn sie schreibt: Soviel nimmt uns der Staat weg! Der Staat sind wir alle letztlich selbst. Auch wenn wirs mitunter vergessen. Man sollte sich das beim Ausfüllen der Steuererklärung gelegentlich deutlich machen. Das hilft gegen die Versuchung, auch ein Liechtensteiner werden zu wollen. Und senkt den Ärger über das Geld, das jetzt ins Staatssäckel wandern wird.
Und führe uns nicht in Versuchung. Auch nicht bei Anlage N, den Werbungskosten und der Pendlerpauschale.
Steuererklärung
|