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Migrationshintergründe
Autor: Was ist in den letzten Monaten über Menschen mit Migrationshintergrund nicht alles gesagt und geschrieben worden!
Mitunter konnte man den Eindruck gewinnen, Migrationshintergrund sei ein anderes Wort für Problemfall. Für Menschen, von denen gesellschaftlich bestenfalls nicht viel zu erwarten ist. Meine Schülerin Kristina Stuckert zum Beispiel hat einen Migrationshintergrund.
O-Ton: Für mich ist Heimat schwer, zu erklären. Also ich sag mal so: Heimat ist Deutschland. Aber mein Herz schlägt für Usbekistan.
Autor: Usbekistan in Deutschland werden viele Menschen Schwierigkeiten haben, das Land auf einer Landkarte überhaupt zu finden. Also: Usbekistan gehörte früher zur Sowjetunion und liegt in Mittelasien. Und seit Stalin Wolgadeutsche dorthin deportiert hat, leben dort auch ca. 24000 Deutsche. Wenn sie nicht ausgewandert und nach Deutschland übergesiedelt sind, so wie vor 15 Jahren die Eltern meiner Schülerin. So jedenfalls wurde Kristina Stuckert zu einem Menschen mit Migrationshintergrund. Über Usbekistan sagt sie heute:
O-Ton: Da bin ich geboren. Das ist meine Herkunft. Das ist schon son Stück von mir. Ich kann doch nicht vergessen, wo meine Wurzeln liegen oder?
Autor: Ihre Herkunft war für Kristina Stuckert in den ersten Jahren in Deutschland ein großes Problem.
O-Ton: Ja- in der Kindheit wars auch sehr, sehr schwierig für mich. Du kannst es halt auch als Kind nicht richtig erklären, woher du kommst, warum du daher kommst.
Autor: Viele Menschen ohne Migrationshintergrund ließen sie ihre scheinbare Fremdheit spüren: In Usbekistan war es aber auch nicht viel anders:
O-Ton: Als wir dort gelebt haben, waren wir Faschisten. Und Nazis und alles. Und wenn wir jetzt hier leben, in Deutschland, hier sind wir die Russen. Also wir gehören nicht dahin und nicht hierhin. Also irgendwie passt das beides nicht.
Autor: Aber auch wenn man es ihr in Deutschland schwer gemacht hat, möchte sie die Erfahrung zweier Kulturen nicht missen:
O-Ton: Also ich finde das allgemein sehr interessant, weil ich habe damit eine andere Kultur kennen gelernt. Ich weiß, wie es anderen Leuten auf dieser Welt geht.
Autor: Kristina Stuckert lebt inzwischen bewusst mit beiden Kulturen und denkt oft daran, dass ihr Leben ganz anders ausgesehen hätte, wären ihre Eltern nicht ausgewandert.
O-Ton: Ich hätte zum Beispiel diese ganzen Chancen, eine Ausbildung zu finden, hätte ich da niemals gekriegt.
Autor: Bei einem Urlaub in der alten Heimat im letzten Jahr ist ihr noch einmal klar geworden:
O-Ton: Als ich so gesehen hab, wie die Leute da leben. Teilweise haben die nicht mal Duschen oder Toiletten oder so. Ich bin sehr, sehr glücklich, dass ich hier leben darf in Deutschland weil: ich habe hier erstens viel mehr Chancen, und zweitens: dort die Menschen, die können so viel arbeiten, wie sie wollen, die werden halt nicht reich. Sie können nicht reich werden, die haben keine Chancen.
Autor: In der Bibel steht, dass man Fremde nicht noch zusätzlich und unnötig belasten soll. Das gilt bis heute: Migranten haben immer schwere Entscheidungen hinter sich. Migranten tragen auch nach Jahren in der zweiten Heimat noch an den Folgen ihrer Migration. Migranten brauchen Unterstützung und Begleitung, um in der neuen Heimat wirklich anzukommen. Dazu muss man sie verstehen lernen. Angebote machen, Fremdheit abzubauen. Meine Schülerin hat sich auf ihrem Weg, in Deutschland anzukommen, nicht beirren lassen. Sie ist angekommen. Man hört das, wenn sie von ihrer Dankbarkeit spricht:
O-Ton: Ich bin sehr dankbar dafür auf jeden Fall. Ich hab das sehr gemerkt also viele Leute vergessen das wo sie leben, und was sie für Chancen haben. (...) Und ich finde auch: viele Ausländer sollten dankbarer sein.
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