Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

21.04.08, Beate Raguse

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Es ist erst zehn vor zehn, doch die Kirche ist schon rappelvoll. Mit Kindern, Frauen, Männern, festlich angezogen, auf der Suche nach einem Sitzplatz,

nicht zu weit hinten und nicht ganz vorne. Hier und da ein Winken; hier ist noch ein Platz frei. Männer holen uralte Holzstühle aus einem Nebenraum.

Ich bekomme keinen mehr ab. Aber egal, auf der Empore ist noch Platz, mein Freund und ich setzen uns auf eine Stufe. Einige der Umstehenden gucken missbilligend. Ein kleines Mädchen nimmt sich ein Kissen und setzt sich neben mich. Dann feierliche Musik: Einzug der Konfirmanden. Von dem, was gesprochen wird, verstehe ich fast nichts.
 
Dann entdecke ich sie: ein Frau in einem türkisen Gewand, genau zwischen der Brüstung und dem Geländer. Allerdings keine echte Person, sondern eine gemalte. Mit dunklem Haar, sehr aufrecht und kraftvoll ist sie auf einem Wandbild dargestellt. Stolz sieht sie aus. Ich versuche dem Gottesdienst zu folgen, doch  immer wieder hänge ich meinen Gedanken nach und schaue mir dieses faszinierende Bild an.

Die Kleine neben mir hat sich mittlerweile auf ihr Kissen gelegt. „Ein Stern“ sagt sie plötzlich. „Psst“, sagt eine Frau, wahrscheinlich ihre Mutter. „Der ist ganz hell“, sagt das Mädchen. Ich lege den Kopf zurück. Stimmt, er leuchtet hell. „Schön“, flüstere ich ihr zu. „Schön“, denke ich. „Was man in der Kirche alles entdecken kann, wenn man den richtigen Platz hat.“   

 Sprecherin: Christiane Birgden

 

 

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