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Menschenwürde
Nach seinem Schlaganfall lag mein Vater auf der Intensivstation im Krankenhaus. Er war in so in einem komischen Dämmerzustand.
Mal wach, mal nicht und hat sehr unkoordinierte Bewegungen gemacht. Wir wussten jetzt zwar nicht, wie viel er mitbekommt, aber waren trotzdem jeden Tag da, haben ihn besucht, um bei ihm zu sein.
Irgendwann stand halt der Arzt mit an seinem Bett und erklärte uns so lapidar, nebenbei, was so alles für Risiken passieren würden. Kann auch eventuell sterben. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Da habe ich den Arzt gebeten, das ein wenig sensibler auszudrücken. Er hat das so gesagt, als wäre mein Vater ein Gegenstand, der kaputt gegangen ist. Und das hat mir nicht gefallen.
Da guckt der Arzt mich an und sagt so: Wissen Sie was ihr Vater versteht? Ich: Nein. Da sagt er: Ich zeige es Ihnen. Und hat meinen Vater gebeten, ihm drei Finger zu zeigen.
Mein Vater lag dann da und hat es nicht hinbekommen. Hat sich wie ein kleines Kind gewälzt und hat auch versucht ihm die drei Finger zu zeigen. Aber er hat es halt nicht hinbekommen.
Der Arzt guckt mich triumphierend an: Bitteschön. Das fand ich einfach unfassbar, wie da jemand so leichtfertig, denn mein Vater war kein Ding, was kaputtgegangen ist. Er war, ist und bleibt ein Mensch
Sprecher: Gernot Hoersch
Menschenwürde
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