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"Elia II"
Manchmal gibt es das im Leben. Gestern sah alles noch ganz wunderbar aus. Man reitet auf einer Welle des Erfolgs, ist zufrieden und glücklich mit sich und der Welt und dann
Ja, was dann? Eine Kleinigkeit. Ein Blick, eine Geste, ein Satz, die berühmte kleine Laus, die einem über die Leber läuft und schon ist man kraft- und saftlos.
So geht es dem Propheten Elia. Gestern noch hat er es voller Gottvertrauen mit 450 heidnischen Priestern der Königin Isebel aufgenommen. Hat mit einem Gottesurteil erfolgreich bewiesen, dass nur sein Gott Gott ist und sogar alle Gegner getötet. Aber gestern ist schon weit weg. Heute weiß Isebel, was Elia ihren Priestern angetan hat und droht ihm: Die Götter sollen mich strafen, wenn ich dich morgen um diese Zeit nicht ebenso umbringen werde, wie du meine Propheten umgebracht hast!.
Na und? Mag man jetzt denken. Wer es gestern so locker mit 450 Gegnern aufgenommen hat, der wird sich doch jetzt nicht beeindrucken lassen. Aber Elia bringt diese Drohung tatsächlich aus dem Tritt. Mitten im Erfolg reicht manchmal eine Kleinigkeit und alles kommt ins Wanken. Die Königin Isebel hat es offenbar immer noch nicht begriffen: es gibt nur einen lebendigen Gott und das ist der Gott Israels. Und nicht ihr Baal, den sie aus ihrer Heimat mitgebracht hatte samt 450 Priestern. Warum kann Isebel das nicht einsehen? Was muss denn noch alles passieren? Was muss er denn noch alles tun? Elia ist plötzlich lebens- und gottesmüde.
Ich kann verstehen, wie aus dem starken, beherzten Elia der ängstliche, verzweifelte wird. Wo der Idealismus am größten ist, da kann auch der Absturz besonders tief sein. Auf viel Arbeit kann große Leere folgen. Wo dein Herz am heftigsten schlägt, da bist du besonders verwundbar. Elia, ein biblischer Prophet mit Burnout? Auch heute sind es ja die Engagierten, die in der Gefahren stehen, auszubrennen für andere!
Der zuvor so standhafte und glaubensstarke Elia ergreift die Flucht in die Wüste ganz alleine. Ich vermute, er läuft eher vor sich weg als vor den Drohungen der Isebel. Elia ist es Leid. Der Triumph zerbröckelt. Er glaubt jetzt, auf ganzer Linie gescheitert zu sein. Nicht ungefährlich, sich allein den eigenen dunklen Gedanken auszusetzen. Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter, sagt Elia. Anders gesagt: Ich habe es satt!
Elia ist ausgebrannt und fühlt sich verbraucht. Unter dem Strauch legt er sich nieder. Jeder Schritt ist zuviel! Ach ja
Unsere Sehnsucht, nicht mehr zuständig zu sein. Nichts mehr merken zu müssen. Nicht mehr reagieren zu müssen. Stattdessen vergessen dürfen mich vergessen dürfen, schlafen dürfen sterben dürfen. Nimm Herr meine Seele!
Wenn wir durch den einfach gedachten Wunsch: Es ist genug, lass mich sterben tatsächlich sterben würden Wer wäre heute hier? Der Todeswunsch gehört wohl auch zu unserem Leben wenn uns alles zu viel wird. Mir hilft es zu wissen, sogar den Propheten in der Bibel ist es manchmal so gegangen. Auch sie waren manchmal lebensmüde.
Mir jedenfalls ist die Bitte vertraut: Gott, lass mich sterben. Ich will nicht mehr. Gott kommt unserem Wunsch, das Leben einfach hinzuschmeißen, nicht nach. Gott sei Dank! Noch ist nicht aller Tage Abend. Gott macht es anders auch für Elia. Davon erzähle ich Ihnen morgen!
"Elia II"
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