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"Elia III"
Nicht nur müde, sondern richtig lebensmüde, sind manchmal sogar gläubige Menschen. Sogar solche, die in der Bibel vorkommen, wie der Prophet Elia aus dem Alten Testament.
Eben noch hatte er es mit seiner Königin und 450 weiteren Gegner mit Erfolg aufgenommen. Und dann bringt ihn die Drohung seiner Königin, ihn umzubringen, plötzlich aus dem Tritt. Er flieht in die Wüste und bittet Gott um seinen Tod. Nimm, Herr, meine Seele! Wie verzweifelt muss man sein, wenn man dieses Leben, mit seinen vielen wunderbaren Möglichkeiten, mit der Chance auf so viele schöne Begegnungen, mit der Aussicht auf Liebe, aufgeben will? Elia war so verzweifelt. Er sah keinen anderen Ausweg mehr als zu sterben.
Aber Elia stirbt nicht, - Gott sei Dank - er schläft. Und das tut ihm gut. Wie schön, wenn man schlafen kann wie ein Stein. Das weiß vor allem der zu schätzen, der sich verzweifelt im Bett hin und herwälzen muss und keine Ruhe finden kann. Elia ist auch dazu zu erschöpft. Sein Schlaf ist bleischwer und traumlos. Elia ist wirklich am Ende. Aber Gott ist es nicht!
Sprecher: Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen.
Wunderbar! Wie wenig da geschieht eine Berührung, eine zärtliche Aufforderung aufzustehen. Wasser, Brot und wie viel da geschieht. In der menschenleeren Öde plötzlich eine Berührung. Hautkontakt. Jeder von uns weiß das; wie wohltuend es ist, liebevoll berührt zu werden. Die Wärme eines anderen zu spüren. Oder in der Stille der Einsamkeit, in der stummen Weite der Wüste, eine Stimme zu hören, die uns freundlich zuspricht. Die es gut mit uns meint. Sacht. Zärtlich: Steh auf und iss! Kein Kasernenton, kein Befehl Auch kein: Steh endlich auf und stell Dich nicht so an. Nicht: Steh endlich auf und reiß Dich zusammen.
Ist das nicht großartig? Elia wird nicht gemaßregelt und nicht belehrt in seiner Depression. Wir dürfen verzweifelt sein! Und wir dürfen sogar zweifeln an unserem Gott! Er bleibt dennoch an unserer Seite. Mit seinem Engel, der sagt: Steh auf und iss! Der uns mit seiner Kraft beschenkt.
Für manche Menschen ist das eine der größten Zumutungen Gottes: er beschenkt uns. Wir müssen lernen: nicht alle unsere Dinge können wir aus eigener Kraft und Anstrengung regeln. In unserem Leben sind wir immer wieder auf Hilfe angewiesen. Wenn wir krank sind, wenn wir verzweifelt sind, wenn wir alt werden. Das als Geschenk anzunehme, ist nicht immer leicht. Für mich jedenfalls! Besonders wenn ich eine Wüstenzeit erlebe, besonders dann, wenn ich Hilfe am allernötigsten habe. Es ist so schwer, sich selbst so ohnmächtig, so hilflos und so bedürftig zu erleben.
Elia jedenfalls, der Eifernde, der Kämpferische auch er kommt aus eigener Kraft nicht mehr weiter. Aus eigener Kraft könnte er gerade noch den Tod finden. Stattdessen bekommt er aber die Stärkung, die er braucht, um weiterleben zu können. Er erkämpft sie sich nicht; er erarbeitet sie sich nicht. Sie wird ihm geschenkt: Seinen Freunden gibt´s der Herr im Schlaf! Ob Elia deshalb gleich aufspringt oder ob er noch mehr braucht das können Sie morgen hören.
"Elia III"
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